Tielle sétoise – gedeckte Oktopus-Tomaten-Pastete aus Sète
Tielle sétoise ist eine gedeckte Pastete und keine offene Tomatentarte. Ein geschmeidiger Hefeteig kleidet eine runde 28-cm-Form aus und umschließt eine dicke Oktopus-Tomaten-Füllung; ein kleinerer Teigkreis verschließt die Oberseite. Die Füllung muss so weit reduziert sein, dass sie in der Kruste bleibt, statt sie durchzuweichen. Gleichzeitig muss der Teig genug Struktur haben, um die feuchte Meeresfruchtfüllung zu tragen, ohne schwer zu werden.
Oktopus hat zwei unterschiedliche Endpunkte. Er muss die 63-°C-Sicherheitsgrenze für Meeresfrüchte überschreiten, doch damit ist er noch nicht automatisch zart. Das sanfte Köcheln wird fortgesetzt, bis ein Messer mit wenig Widerstand in das dickere Tentakelfleisch gleitet. Danach kommt der gegarte Oktopus in eine Sauce aus Zwiebel, Knoblauch, Weißwein, zerdrückten Tomaten, Tomatenmark, Chili, Thymian und Safran, die so weit reduziert wird, dass eine Löffelspur mehrere Sekunden stehen bleibt.
Das Abkühlen vor dem Zusammensetzen ist technisch wichtig. Heiße Füllung würde den Hefeteig sofort aufweichen und die Meeresfrüchte während des Formens unnötig warm halten. Die Füllung wird deshalb flach ausgebreitet und auf 4 °C oder kälter gekühlt. Dann wird sie in einen 55:45 geteilten Teig eingeschlossen, oben entlüftet und bei 190 °C gebacken, bis sowohl Deckel als auch Boden vollständig durchgebacken sind.


