Andorranische Küche · Eintopf und Zwei-Gänge-Gericht · Rezept
Escudella i Carn d’Olla als klare Galetsuppe mit Fleisch und Wintergemüse
Langsam gekochte Brühe mit großen Galets, gefolgt von einer Platte aus Rind, Schwein, Huhn, Pilota, Würsten, Kichererbsen und Wintergemüse.
Kategorie: Eintopf / Küche: Andorra / Schwierigkeit: Mittel
Die breite Aufnahme trennt die Galetsuppe sichtbar von der carn d’olla mit Fleisch, Würsten, Pilota, Gemüse und Kichererbsen.
Escudella i Carn d’Olla Rezept für zwei Gänge
Dieses Escudella i Carn d’Olla Rezept behandelt das Gericht als zwei aufeinanderfolgende Gänge: zuerst eine klare, kräftige Brühe mit großen Galets, danach die gekochten Fleischstücke, Würste, Pilota, Kichererbsen und Wintergemüse auf einer Platte. In Andorra gehört Escudella fest zur kalten Jahreszeit und zu gemeinschaftlichen Essen. Die Zusammensetzung teilt viele Grundlagen mit der katalanischen Küche, doch jede Familie und jedes Dorf setzt andere Schwerpunkte. Manche Fassungen werden vollständig vermischt serviert, andere trennen Suppe und Einlage. Die hier beschriebene Form lässt die einzelnen Garzeiten besser kontrollieren und entspricht dem Namen carn d’olla, dem Fleisch aus dem Topf.
Eine gute Escudella ist kein ungeordneter Topf: Jede Zutat bekommt genau die Zeit, die sie für Zartheit, Form und klare Brühe braucht.
Der große Topf beginnt mit Rinderhaxe, Schweinerippen, Hähnchenkeulen und ungeräuchertem Speck in kaltem Wasser. Langsames Erwärmen löst Eiweiß und Gelatine, während Schaum an die Oberfläche steigt und abgeschöpft werden kann. Starkes Kochen würde Fett und Trübstoffe in der Brühe verteilen; ein leises Simmern hält sie sauberer und macht die Fleischstücke mürbe. Salz bleibt anfangs zurückhaltend, da Speck und Würste später zusätzliche Würze einbringen. Nach etwa neunzig Minuten ist genug Grundgeschmack entstanden, um Gemüse und Pilota aufzunehmen.
Pilota ist eine große gewürzte Fleischklößchenmasse aus Schweinehack, Ei, Semmelbröseln, Knoblauch und Petersilie. Zwei längliche Rollen garen gleichmäßiger als eine einzelne sehr große Kugel. Ihre Mitte erreicht mindestens 71 °C, bevor sie auf die Servierplatte kommt. Lauch, Karotten, Sellerie und Zwiebel dürfen länger im Topf bleiben; Kartoffeln, Kürbis und Wirsing folgen später, damit sie weich werden, ohne vollständig zu zerfallen. Vorgegarte Kichererbsen kommen nur zum Durchwärmen hinzu. Diese Staffelung hält die Platte übersichtlich und verhindert, dass empfindliche Zutaten die Brühe trüben.
Weiße und schwarze Butifarra werden erst gegen Ende eingelegt. Die weiße Wurst verträgt etwa zwanzig Minuten sanfte Hitze, die schwarze nur zehn bis zwölf. Ein sprudelnder Topf oder zu frühes Einlegen lässt die Hüllen platzen und färbt die Brühe unnötig. Vor dem Herausheben wird geprüft, ob Huhn und Pilota sicher durchgegart sind. Die Fleischstücke ruhen kurz abgedeckt, während die Brühe durch ein feines Sieb läuft. Ein Teil des Fetts darf auf der Oberfläche bleiben; er trägt Aroma und schützt die Suppe vor flachem Geschmack.
Galets, die muschelförmige Pasta des Festtagsgerichts, garen direkt in der abgemessenen Brühe. Der Topf bleibt dabei groß genug, damit die Nudeln frei zirkulieren. Je nach Größe benötigen sie zwölf bis vierzehn Minuten. Sie sollen weich sein, aber ihre Form halten, denn sie quellen beim Stehen weiter. Die Suppe wird sofort in vorgewärmte Schalen verteilt. Danach folgt die carn d’olla: Fleisch quer zur Faser geschnitten, Pilota in Scheiben, Würste in dicken Stücken, Gemüse und Kichererbsen nebeneinander. So kann jede Portion nach Vorliebe zusammengestellt werden.
Der Geschmack entwickelt sich in Schichten. Rind und Knochen liefern Tiefe, Schwein und Wurst geben Körper, Huhn macht die Brühe runder, Kohl und Kürbis bringen Süße. Das Gericht ist reichhaltig und für acht großzügige Portionen gerechnet. Ein säuerlicher Salat, eingelegtes Gemüse oder Senf kann die Fleischplatte begleiten, während Brot die Brühe ergänzt. Für die Aufbewahrung werden Suppe, Pasta und feste Bestandteile getrennt gekühlt. Am nächsten Tag lässt sich das Fett leicht abheben, die Brühe wird klarer, und jede Komponente kann ohne Qualitätsverlust auf die passende Temperatur gebracht werden.
Ein Topf, gestaffelte Garzeiten
Rezept im Überblick. Rinderhaxe, Schweinerippen, Hähnchenkeulen und Speck simmern zuerst langsam zu einer kräftigen Brühe. Danach kommen aromatisches Gemüse, eine Pilota aus Schweinehack, Ei und Semmelbröseln, Kartoffeln, Wirsing, Kürbis und Kichererbsen in zeitlich gestaffelten Schritten hinzu. Weiße und schwarze Butifarra garen erst am Ende, damit ihre Hüllen ganz bleiben. Nach insgesamt gut drei Stunden werden Fleisch, Würste, Pilota und Gemüse auf einer Platte angerichtet. Die abgesiebte Brühe dient zum Garen großer Galets und bildet den ersten Gang; die carn d’olla folgt als zweiter. Das Rezept ergibt acht reichhaltige Portionen und lässt sich besonders gut vorbereiten, wenn Brühe, Pasta und feste Einlagen getrennt gelagert werden.
Zutaten
Für Brühe und Carn d’Olla
- Rinderhaxe mit Knochen, 500 g — für Gelatine und kräftige Brühe
- Schweinerippen, 400 g — in große Stücke geteilt
- Hähnchenkeulen, 500 g — etwa 2 große Stücke
- Ungerahmter Bauchspeck, 150 g — am Stück
- Kaltes Wasser, 3,5 Liter — der Topf sollte mindestens 8 Liter fassen
- Lauch, 200 g — geputzt und halbiert
- Karotten, 250 g — in großen Stücken
- Stangensellerie, 80 g — in großen Stücken
- Zwiebel, 180 g — geschält und halbiert
- Wirsing, 600 g — in breiten Stücken
- Festkochende Kartoffeln, 600 g — geschält und halbiert
- Kürbisfleisch, 300 g — in großen Würfeln
- Gekochte Kichererbsen, 250 g — abgespült und abgetropft
- Weiße Butifarra, 250 g — 2 kleine Würste
- Schwarze Butifarra, 200 g — 2 kleine Würste
- Feines Salz, 12 g — zunächst nur die Hälfte verwenden
- Schwarzer Pfeffer, 2 g — frisch gemahlen
Für Pilota und Suppe
- Schweinehackfleisch, 350 g — gut gekühlt
- Ei, 1 Stück — Größe M
- Semmelbrösel, 50 g — für eine schnittfeste Pilota
- Knoblauch, 2 Zehen — fein gerieben
- Glatte Petersilie, 15 g — fein gehackt
- Feines Salz, 4 g — für die Pilota
- Schwarzer Pfeffer, 1 g — für die Pilota
- Große Galets, 250 g — oder andere große Suppenpasta
Zubereitung Schritt für Schritt
Brühe aufbauen
Fleisch kalt ansetzen
Rinderhaxe, Schweinerippen, Hähnchenkeulen und Speck in einen Topf von 8 bis 10 Litern legen, 3,5 Liter kaltes Wasser angießen und langsam bis kurz vor das Kochen erhitzen.
Schaum abnehmen
Den grauen Schaum 15 bis 20 Minuten mit einer Kelle abschöpfen. Danach die Hitze so weit senken, dass die Oberfläche nur leicht zittert.
Grundbrühe simmern
Die Hälfte des Salzes und 2 g Pfeffer zufügen und 90 Minuten mit halb aufgelegtem Deckel simmern lassen. Verdampfte Flüssigkeit nur bei Bedarf mit heißem Wasser ergänzen.
Pilota und Gemüse
Pilota formen
Schweinehack, Ei, Semmelbrösel, Knoblauch, Petersilie, 4 g Salz und 1 g Pfeffer kurz vermengen. Zwei längliche Rollen formen und bis zum Einlegen kalt stellen.
Aromatisches Gemüse einlegen
Lauch, Karotten, Sellerie, Zwiebel und die Pilota in die Brühe geben. 35 Minuten weiter simmern, ohne stark zu kochen.
Wintergemüse ergänzen
Kartoffeln, Wirsing und Kürbis zufügen und 25 bis 30 Minuten garen. Die Kichererbsen in den letzten 15 Minuten nur durchwärmen.
Würste zeitlich staffeln
Weiße Butifarra 20 Minuten vor Ende, schwarze Butifarra 10 bis 12 Minuten vor Ende einlegen. Die Brühe darf nicht sprudeln, damit die Hüllen nicht platzen.
Zwei Gänge servieren
Gargrad prüfen
Hähnchen an der dicksten Stelle auf mindestens 74 °C und die Pilota in der Mitte auf mindestens 71 °C prüfen. Fleisch, Würste, Pilota, Hülsenfrüchte und Gemüse vorsichtig herausheben und warm halten.
Brühe absieben
Die Brühe durch ein feines Sieb in einen sauberen Topf gießen, abschmecken und bei Bedarf etwas Oberflächenfett abnehmen. Rund 2 Liter für die Suppe abmessen.
Galets garen
Die Galets in der siedenden Brühe je nach Größe 12 bis 14 Minuten garen, bis sie weich sind und ihre Form behalten.
Escudella und Carn d’Olla anrichten
Zuerst Brühe und Galets in vorgewärmten Schalen servieren. Danach Fleisch quer zur Faser schneiden, Pilota und Würste in Scheiben teilen und mit Gemüse sowie Kichererbsen auf einer großen Platte anrichten.
Servieren, Aufbewahren und Varianten
Servieren und kombinieren
Die Galetsuppe bildet den ersten Gang. Danach folgt die Fleischplatte mit Senf, eingelegtem Gemüse oder einer säuerlichen Vinaigrette. Kräftiges Brot passt zu beiden Teilen. Die Portionen sind großzügig; für ein kleineres Essen reichen zehn bis zwölf Suppenportionen, während die feste Einlage später weiterverwendet werden kann.
Aufbewahren und erwärmen
Brühe, Galets und feste Einlagen getrennt innerhalb von zwei Stunden kühlen. Alles hält bis zu drei Tage bei höchstens 4 °C. Brühe und Fleisch beim Aufwärmen auf mindestens 74 °C bringen; Galets nur kurz in heißer Brühe erhitzen, damit sie nicht zerfallen. Die reine Brühe lässt sich bis zu drei Monate einfrieren, Würste und Kartoffeln verlieren dagegen etwas Textur.
Vier praktikable Varianten
- Galets durch kurze Röhrennudeln oder kleine Muscheln ersetzen und deren Garzeit nach Packungsangabe anpassen.
- Kürbis durch Steckrübe ersetzen, wenn eine weniger süße Gemüsekomponente gewünscht ist.
- Weiße Bohnen statt Kichererbsen verwenden; ebenfalls vorgekocht und erst zum Ende zugeben.
- Für eine gemischte Escudella alle kleingeschnittenen Einlagen direkt in der Suppe servieren, statt zwei Gänge zu bilden.
Drei Hinweise aus der Testküche
- Nur leise simmern; sprudelndes Kochen trübt die Brühe und lässt Würste aufplatzen.
- Gemüse in großen Stücken schneiden, damit es nach langer Garzeit auf der Platte erkennbar bleibt.
- Galets erst unmittelbar vor dem Essen kochen, da sie in Brühe schnell weiterquellen.
Benötigte Ausstattung
Ein Topf von 8 bis 10 Litern, Schaumlöffel, feines Sieb, Küchenthermometer, großer Pastatopf oder sauberer zweiter Topf und eine breite Servierplatte werden benötigt. Der große Topf verhindert Überfüllen und erlaubt eine ruhige Zirkulation der Brühe.
Nährwerte pro Portion
- Kalorien
- ≈ 880 kcal
- Kohlenhydrate
- ≈ 62 g
- Protein
- ≈ 58 g
- Fett
- ≈ 44 g
- Ballaststoffe
- ≈ 10 g
- Natrium
- ≈ 1480 mg
Portionsgröße: 1 Schale Suppe plus 1 Portion Carn d’Olla. Allergene: Gluten, Ei und Sellerie; Würste können Milch, Senf oder Sulfite enthalten. Näherungswerte pro Schale Suppe plus Anteil der Fleischplatte. Wurstzusammensetzung, Fettabschöpfen, Knochenanteil und tatsächliche Portionierung beeinflussen die Werte deutlich.
Erst kommt die dampfende Galetsuppe, dann zeigt die Platte, was drei Stunden ruhiges Simmern aus jedem Stück gemacht haben.
Escudella i Carn d’Olla ist groß angelegt, bleibt aber technisch geordnet. Werden Fleisch, Gemüse, Pilota, Würste und Pasta zum richtigen Zeitpunkt eingesetzt, entstehen eine klare, kräftige Suppe und eine vollständige zweite Platte aus demselben Topf.