Österreichische Küche · Dessert · Rezept
Powidltascherl aus Erdäpfelteig mit dunkler Zwetschkenfüllung
Halbmondförmige Teigtaschen aus weichem Erdäpfelteig werden mit dickem Powidl gefüllt, sanft gekocht und in Butterbröseln mit Walnüssen gewendet.
Kategorie: Dessert / Küche: Österreichisch / Schwierigkeit: Mittel / Gesamtzeit: 105 Min. (30 Minuten Abkühlzeit)
Der breite Bildausschnitt zeigt sieben Tascherl auf einer ovalen Platte; ein geöffnetes Stück legt die kompakte Zwetschkenfüllung frei.
Dunkle Zwetschkenfüllung in einer dünnen Erdäpfelhülle
Powidltascherl gehören zur österreichischen und böhmisch geprägten Mehlspeisenküche. Powidl ist ein sehr dick eingekochtes Zwetschkenmus, meist deutlich weniger süß als gewöhnliche Konfitüre. Seine feste Konsistenz macht es als Füllung geeignet: Es bleibt beim Formen an seinem Platz und läuft im heißen Wasser nicht sofort aus. Die halbmondförmigen Teigtaschen werden aus Erdäpfelteig oder, in manchen Wiener Rezepten, aus einem gekochten Brandteig gefertigt. Diese Fassung verwendet Erdäpfel, da der leicht erdige Teig gut zur konzentrierten Zwetschke passt und nach dem Kochen eine weiche, aber formstabile Hülle bildet.
Fester Powidl und trockene Erdäpfel halten die Naht geschlossen.
Für Erdäpfelteig werden mehlige Erdäpfel in der Schale gekocht oder gedämpft, noch warm gepresst und anschließend vollständig ausgedampft. Zu viel Feuchtigkeit verlangt mehr Mehl, und mehr Mehl macht die Tascherl fest. Die Erdäpfel sollen deshalb nicht in Stücke geschnitten im Wasser liegen. Nach dem Pressen breitet man sie auf einem Blech aus, bis kein Dampf mehr aufsteigt. Erst dann kommen Butter, Eigelb, Mehl, Grieß und Salz dazu. Der Teig wird zügig zusammengeführt und sofort verarbeitet. Langes Stehen macht ihn weich, weil Salz und Mehl Wasser aus den Erdäpfeln ziehen.
Das Powidl wird mit wenig Zimt und einem kleinen Schuss Rum verrührt. Der Alkohol ist geschmacklich optional; er verdampft beim Garen nicht vollständig und kann durch Zwetschkensaft ersetzt werden. Entscheidend bleibt die Festigkeit. Dünne Konfitüre wird kurz eingekocht und vollständig abgekühlt. Der Teig wird etwa vier Millimeter dick ausgerollt und in Kreise gestochen. Ein kleiner Löffel Füllung sitzt in der Mitte. Die Ränder werden mit Eiweiß bestrichen, zusammengelegt und ohne eingeschlossene Luft festgedrückt. Eine Gabel kann die Naht markieren, darf den Teig aber nicht durchstechen.
Im Wasser brauchen die Tascherl Platz. Sie kommen in nur sanft siedende Flüssigkeit und werden nach dem Aufsteigen noch einige Minuten gezogen. Parallel rösten Semmelbrösel und gemahlene Walnüsse in Butter. Zucker und Zimt kommen zuletzt dazu. Die abgetropften Tascherl werden direkt in dieser Mischung gewendet, solange ihre Oberfläche noch feucht genug ist, um Brösel aufzunehmen. Auf dem sichtbaren Teller liegt ein aufgeschnittenes Tascherl vorn; die dunkle, dichte Füllung bleibt klar von der hellen Hülle getrennt. Dieses saubere Bild ist zugleich das beste Zeichen für korrekt geschlossene Ränder.
Powidl unterscheidet sich von gewöhnlicher Pflaumenmarmelade durch seine dichte, wenig flüssige Konsistenz. Für die Füllung ist das technisch wichtig: Dünne Konfitüre tritt beim Schließen aus, verhindert eine saubere Naht und kann im Kochwasser auslaufen. Sehr fester Powidl wird mit wenig Rum oder Wasser geschmeidig gerührt, bleibt aber formbar. Die Teigkreise werden am Rand frei von Füllung gehalten und zuerst mit den Fingern, danach bei Bedarf mit einer Gabel verschlossen. Beim Garen darf das Wasser nur leicht sieden. Nach dem Herausheben kommen die Taschen sofort in warme Butterbrösel, damit die Oberfläche nicht zusammenklebt und die Hülle trocken bleibt.
Der Kartoffelteig wird verarbeitet, solange die gepressten Erdäpfel noch leicht warm, aber nicht heiß sind. Kalte Kartoffeln brauchen mehr Mehl, heiße Kartoffeln machen den Teig klebrig. Mehl und Grieß werden zügig eingearbeitet. Eine kurze Ruhe stabilisiert die Masse, ohne dass sie durch langes Liegen feucht und schwer formbar wird.
Beim Abtropfen liegen die Taschen einzeln, damit die weiche Oberfläche nicht aneinander haftet.
Tascherllinie — pressen, füllen, ziehen, bröseln
Rezept in Kürze. Mehlige Erdäpfel werden in der Schale gekocht, warm gepresst und gründlich ausgedampft. Mit Butter, Eigelb, Mehl, Grieß und Salz entsteht ein kurzer, weicher Teig. Er wird dünn ausgerollt, kreisförmig ausgestochen und mit festem, zimtgewürztem Powidl gefüllt. Eiweiß verschließt die Ränder. Die Tascherl ziehen in sanft siedendem Wasser, bis die Hülle gar und die Naht stabil ist. Semmelbrösel und Walnüsse rösten in Butter goldbraun; Zucker und Zimt kommen erst am Ende dazu. Die heißen Tascherl werden direkt darin gewendet. Die Taschen garen nur leicht siedend, werden einzeln abgetropft und sofort in Butterbröseln gewendet, damit Hülle und Füllung klar getrennt bleiben. Das Ergebnis bleibt dabei klar portionierbar.
Zutaten
Für Erdäpfelteig und Füllung
- Mehlige Erdäpfel, 800 g
- Weiche Butter, 45 g
- Eigelb, 2
- Weizenmehl, 220 g
- Weizengrieß, 50 g
- Salz, 3 g
- Powidl, 300 g
- Rum, 20 ml
- Zimt, 2 g
- Eiweiß, 1
Für die Brösel
- Semmelbrösel, 150 g
- Gemahlene Walnüsse, 60 g
- Butter, 90 g
- Kristallzucker, 45 g
- Zimt, 2 g
- Staubzucker, 20 g
Powidltascherl: Zubereitung Schritt für Schritt
Erdäpfelteig und Füllung
Erdäpfel garen
Erdäpfel in der Schale 25–30 Minuten garen, schälen und noch warm durch eine Presse drücken. Auf einem Blech 30 Minuten ausdampfen lassen.
Powidl würzen
Powidl mit Rum und 2 g Zimt glatt rühren. Die Füllung muss so fest sein, dass ein Löffel darin stehen bleibt.
Teig mischen
Erdäpfel mit Butter, Eigelb, Mehl, Grieß und Salz rasch zu einem glatten Teig verbinden. Nicht lange kneten.
Kreise ausstechen
Teig auf leicht bemehlter Fläche 4 mm dick ausrollen und zwölf Kreise von etwa 10 cm Durchmesser ausstechen.
Tascherl schließen
Jeweils Powidl in die Mitte setzen, Ränder dünn mit Eiweiß bestreichen, zusammenklappen und sorgfältig ohne Lufttaschen verschließen.
Garen und Bröseln
Tascherl ziehen lassen
In einem großen Topf Salzwasser nur leicht sieden lassen. Tascherl portionsweise 8–10 Minuten garen und nach dem Aufsteigen noch 3 Minuten ziehen lassen.
Brösel rösten
Butter schmelzen, Semmelbrösel und Walnüsse 6–8 Minuten goldbraun rösten. Zucker und 2 g Zimt einrühren.
Wenden und servieren
Tascherl kurz abtropfen lassen, sofort in Bröseln wenden und mit Staubzucker warm servieren.
Servieren, Aufbewahren und Variationen
Servieren
Zwei Tascherl pro Portion genügen. Ein Klecks Sauerrahm kann Säure bringen, ist neben Powidl und Butterbröseln aber nicht erforderlich.
Aufbewahren und Erwärmen
Gekochte Tascherl bis zu zwei Tage kühlen. In Dampf oder heißem Wasser auf mindestens 74 °C erwärmen und in frisch gerösteten Bröseln wenden.
Vier brauchbare Varianten
Brandteig ist eine Wiener Alternative zum Erdäpfelteig. Mohn kann die Walnüsse ersetzen. Zwetschkenröster funktioniert nur stark eingekocht. Ohne Rum wird Zwetschkensaft verwendet.
Küchengeräte und drei Hinweise
Eine Erdäpfelpresse hält den Teig fein. Ein runder Ausstecher macht gleichmäßige Tascherl. Erdäpfel müssen ausdampfen. Der Teig wird sofort verarbeitet. Die Füllung bleibt kalt und fest.
Drei Hinweise aus der Testküche
1. Nur dichten Powidl verwenden; flüssige Konfitüre läuft beim Garen aus.
2. Die Teigränder völlig frei von Füllung halten und sorgfältig verschließen.
3. Kartoffelteig leicht warm verarbeiten und nicht mit zusätzlichem Mehl überladen.
Nährwerte pro Portion
- Kalorien
- ≈ 610 kcal
- Kohlenhydrate
- ≈ 96 g
- Protein
- ≈ 13 g
- Fett
- ≈ 20 g
- Ballaststoffe
- ≈ 7 g
- Natrium
- ≈ 210 mg
Portionsgröße: 2 Tascherl. Wichtige Allergene: Gluten, Milch, Eier, Walnüsse, Alkohol. Die Werte sind Näherungswerte auf Grundlage üblicher Referenzdaten; Marken, Zuschnitt, Fettaufnahme und Portionierung verändern das Ergebnis.
Eine saubere Naht beginnt mit einer Füllung, die nicht fließt.
Powidltascherl sind ein Rezept für Feuchtigkeitskontrolle: trockene Erdäpfel, fester Powidl, kurzer Teig und ruhiges Wasser. Butterbrösel geben erst danach ihre goldene, nussige Oberfläche.