Österreichische Küche · Kalte Vorspeise und Jause · Rezept
Brettljause mit Speck, Bergkäse und Essiggemüse auf kräftigem Bauernbrot
Eine sorgfältig aufgebaute Jausenplatte mit geräuchertem Fleisch, würziger Wurst, Käse, Bauernbrot, Ei, Kren und säuerlichen Beilagen, die jede Komponente klar erkennbar lässt.
Kategorie: Kalte Vorspeise und Jause/Küche: Österreich/Schwierigkeit: Leicht

Die breite Aufnahme zeigt die Jausenbestandteile in getrennten Feldern: Brot links, Fleisch und Speck in der Mitte, Käse, Kren, Bohnen und Essiggemüse rechts.
Brettljause Rezept für eine ausgewogene Jausenplatte
Die Brettljause gehört in österreichischen Buschenschänken, Heurigen, Almhütten und Landgasthäusern zu den Gerichten, bei denen Auswahl und Schnitt ebenso viel zählen wie das eigentliche Kochen. Auf einem großen Holzbrett treffen haltbare Produkte aus Speisekammer und Selchkammer auf frische, säuerliche Beilagen. Speck, Schinken, Geselchtes und Wurst liefern Salz, Rauch und Fett; Bergkäse bringt nussige Reife; Bauernbrot nimmt Saft und Aufstrich auf. Gurkerl, eingelegte Pfefferoni, Zwiebel und Kren setzen scharfe oder saure Gegenpunkte. Das Brettljause Rezept arbeitet deshalb nicht mit einer möglichst großen Zahl an Zutaten, sondern mit einem klaren Verhältnis zwischen kräftigen, milden und frischen Bestandteilen. Jede Portion soll von allem etwas enthalten, ohne dass das Brett wie eine beliebige Aufschnittplatte wirkt.
Der regionale Charakter ändert sich mit dem Ort. In der Steiermark erscheinen häufig Käferbohnen, Kürbiskernöl, Verhackertes oder geriebener Kren; in Tirol und Vorarlberg stehen Bergkäse, Speck und trockene Würste stärker im Vordergrund. Niederösterreichische Heurigen setzen oft auf Geselchtes, Liptauer, Eier und Essiggemüse. Diese Version verbindet solche vertrauten Bausteine, ohne eine einzelne Region als alleinige Herkunft auszugeben. Das Ergebnis ist eine kalte Mahlzeit, die als Vorspeise für eine größere Runde, als spätes Abendessen oder als ausgedehnte Jause funktioniert. Entscheidend ist, dass Fleisch und Käse nicht eiskalt auf das Brett kommen. Nach zwanzig Minuten bei kühler Raumtemperatur treten Rauch, Gewürze und Milcharomen deutlicher hervor, während die Scheiben geschmeidiger werden.
Ein gutes Brett braucht verschiedene Schnittstärken. Mageres Geselchtes wird dünn gegen die Faser geschnitten, damit es nicht trocken wirkt. Durchzogener Speck darf etwas kräftiger ausfallen, weil seine Struktur beim Kauen schmilzt. Trockene Wurst wird schräg in kleine Scheiben geschnitten; so entsteht mehr Oberfläche, ohne dass einzelne Stücke zu schwer werden. Der Käse kommt in Stifte oder schmale Dreiecke, die sich mit Brot greifen lassen. Zwiebelringe bleiben fein, der Kren wird erst kurz vor dem Servieren gerieben. Frisch geriebener Kren verliert seine flüchtige Schärfe rasch, daher gehört er zu den letzten Arbeitsschritten.
Nicht die Menge macht eine Brettljause stimmig, sondern der Wechsel aus Rauch, Säure, Schärfe, Brot und ruhigen, milden Bissen.
Auch die Anordnung folgt einer praktischen Logik. Brot liegt an einer trockenen Seite des Bretts, damit Essig und Gurkenlake die Kruste nicht aufweichen. Feuchte Beilagen kommen in kleine Schalen oder werden gut abgetropft. Fleischsorten werden nicht übereinandergestapelt, sondern leicht gefächert; dadurch lassen sie sich einzeln nehmen und bleiben optisch unterscheidbar. Käse und Ei sitzen zwischen milden und kräftigen Komponenten, während Kren und Liptauer in kleinen Häufchen oder Schalen angeboten werden. Das Brett wirkt reich, bleibt aber bedienbar. Ein langes Messer, mehrere kleine Gabeln und zusätzliche Brotscheiben verhindern, dass die Platte nach den ersten Griffen unordentlich wird.
Die Käferbohnen werden mit Apfelessig und Kürbiskernöl nur kurz mariniert. Ihre erdige, cremige Textur passt zu Rauchfleisch, ohne ein zweites schweres Gericht zu bilden. Das Ei wird zehn Minuten gekocht, vollständig gekühlt und sauber halbiert. Diese Garstufe passt zur kalten Platte, weil das Eigelb fest bleibt und sich nicht über andere Zutaten verteilt. Salz wird kaum zusätzlich benötigt; Wurst, Käse, Gurken und Aufstrich bringen bereits reichlich Natrium mit. Schwarzer Pfeffer und Schnittlauch reichen als Schluss. So bleibt die Brettljause klar, kräftig und gut teilbar, statt unter zu vielen Gewürzen oder Dekorationen zu verschwinden.
Aufbau des Bretts — vier Arbeitspunkte
Rezept im Überblick. Eier werden hart gekocht, Käferbohnen mit Apfelessig und Kürbiskernöl mariniert und alle übrigen Bestandteile in unterschiedliche, gut greifbare Formen geschnitten. Auf dem Brett bleiben Brot und trockene Aufschnitte von feuchten Beilagen getrennt. Geselchtes, Schinken, Speck und Wurst werden gefächert, Bergkäse und Ei bilden mildere Zwischenstücke. Gurkerl, Pfefferoni, Zwiebel, Liptauer und frisch geriebener Kren bringen Säure, Cremigkeit und Schärfe. Die fertige Platte ruht nicht lange: Kren verliert Aroma, Brot nimmt Feuchtigkeit auf und Fleisch trocknet an den Schnittflächen aus. Die Brettljause wird daher unmittelbar nach dem Anrichten gemeinsam serviert. Unterschiedliche Schnittstärken, gut abgetropfte Beilagen und getrennte Felder halten das Brett bis zum letzten Griff übersichtlich und appetitlich.
Zutaten
Fleisch, Käse und Brot
- Bauernbrot, 500 g — Roggenmischbrot mit fester Kruste
- Geselchtes Schweinefleisch, 200 g — gegen die Faser schneiden
- Bauernschinken, 160 g — nicht zu kalt servieren
- Durchzogener Speck, 160 g — in schmale Scheiben schneiden
- Trockene Hauswurst, 160 g — schräg aufschneiden
- Bergkäse, 200 g — in Stifte oder Dreiecke schneiden
- Liptauer, 120 g — in einer kleinen Schale anrichten
Säuerliche und scharfe Beilagen
- Eier, 4 Stück — 10 Minuten hart kochen
- Essiggurkerl, 200 g — halbiert oder ganz
- Eingelegte milde Pfefferoni, 120 g — Säure ohne starke Schärfe
- Weiße Zwiebel, 120 g — kurz vor dem Anrichten schneiden
- Frischer Kren, 60 g — erst unmittelbar vor dem Servieren reiben
Käferbohnensalat
- Gekochte Käferbohnen, 180 g — ersatzweise große rote Bohnen
- Apfelessig, 15 ml — für eine klare Säure
- Kürbiskernöl, 15 ml — nussig und dunkelgrün
- Schnittlauch, 15 g — für Bohnen und Brett
- Schwarzer Pfeffer, 1 g — sparsam verwenden
Zubereitung Schritt für Schritt
Vorbereiten
Eier garen
Kochen Sie die Eier 10 Minuten in leicht siedendem Wasser, schrecken Sie sie kalt ab und lassen Sie sie vollständig auskühlen. Schälen und halbieren Sie die Eier erst kurz vor dem Anrichten, damit die Schnittflächen sauber bleiben.
Bohnen marinieren
Vermengen Sie die abgetropften Käferbohnen mit Apfelessig, Kürbiskernöl, der Hälfte des Schnittlauchs und etwas schwarzem Pfeffer. Lassen Sie den Salat 15 Minuten ziehen; die Bohnen sollen glänzen, aber nicht in Dressing schwimmen.
Schneiden und ordnen
Fleisch und Wurst schneiden
Schneiden Sie Geselchtes und Schinken dünn gegen die Faser, Speck etwas kräftiger und Hauswurst schräg in kleine Scheiben. Legen Sie jede Sorte getrennt bereit, damit Geschmack und Textur auf dem Brett klar bleiben.
Käse und Gemüse vorbereiten
Schneiden Sie den Bergkäse in Stifte, Gurkerl nach Größe längs in Hälften und die Zwiebel in sehr feine Ringe. Tropfen Sie Pfefferoni und Gurkerl gründlich ab, damit keine Lake auf das Brot gelangt.
Anrichten
Das Brett belegen
Legen Sie Brotscheiben an eine trockene Seite. Fächern Sie Fleisch und Wurst in getrennten Feldern auf, setzen Sie Käse, Eier und Liptauer dazwischen und stellen Sie Bohnen sowie feuchte Beilagen in kleine Schalen oder an den Rand.
Kren und Kräuter ergänzen
Reiben Sie den Kren unmittelbar vor dem Servieren fein über eine freie Stelle oder in eine kleine Schale. Streuen Sie den restlichen Schnittlauch über Bohnen, Eier und Käse und bringen Sie die Brettljause ohne weitere Ruhezeit auf den Tisch.
Servieren, Aufbewahren und Varianten
Servieren
Die Platte wird in die Tischmitte gestellt und mit kleinen Gabeln, einem Brotmesser und zusätzlichen Tellern gereicht. Zu jeder Portion gehören Brot, mindestens zwei Fleischsorten, Käse, etwas Bohne, Gurkerl, Zwiebel und Kren. Leichte, säurebetonte Getränke oder Wasser passen besser als sehr süße Begleiter; Bier und trockener regionaler Wein sind verbreitet, bleiben aber optional.
Aufbewahren
Fleisch, Käse, Eier, Liptauer und Bohnen dürfen höchstens zwei Stunden ungekühlt stehen, bei großer Wärme deutlich kürzer. Reste werden getrennt in saubere Behälter verpackt und innerhalb von zwei Tagen verbraucht. Brot bleibt separat bei Raumtemperatur. Bereits geriebener Kren verliert über Nacht viel Schärfe und wird bei einer zweiten Platte frisch ersetzt.
Vier brauchbare Varianten
Eine steirische Ausrichtung verstärkt Käferbohnen, Kürbiskernöl und Verhackertes. Eine Tiroler Platte ersetzt Bohnen durch mehr Bergkäse und trockene Kaminwurzen. Für eine fleischärmere Fassung werden zwei Wurstsorten gestrichen und durch Radi, Topfenaufstrich und mehr Käse ersetzt. Eine kleine Vorspeisenplatte halbiert alle Mengen, behält aber das Verhältnis von Rauchfleisch, Käse, Brot, Säure und Kren bei.
Hinweise aus der Testküche und Ausrüstung
Ein großes Brett von mindestens 45 Zentimetern, drei kleine Schalen, ein scharfes Aufschnittmesser und eine feine Krenreibe reichen aus. Kaltes Fleisch wird zwanzig Minuten vor dem Schneiden aus dem Kühlschrank genommen, bleibt aber nicht lange warm. Feuchte Zutaten werden mit Küchenpapier abgetupft. Kren wird beim Reiben nicht gedrückt, sonst entsteht eine feuchte, schnell schlaffe Masse.
Nährwerte pro Portion
- Kalorien
- ≈ 780 kcal
- Kohlenhydrate
- ≈ 47 g
- Protein
- ≈ 39 g
- Fett
- ≈ 48 g
- Ballaststoffe
- ≈ 5 g
- Natrium
- ≈ 2020 mg
Portionsgröße: 1/6 der angerichteten Platte. Hauptallergene: Gluten, Milch, Ei; je nach Liptauer Senf. Die Werte sind Näherungen aus Standardreferenzen; Marken, Zuschnitt, Fettaufnahme und Portionierung verändern das Ergebnis.
Eine gute Brettljause bleibt bis zum letzten Bissen übersichtlich.
Die Qualität zeigt sich in sauberem Schnitt, kluger Temperatur und der Trennung von trockenen und feuchten Bestandteilen. Rauchfleisch, Käse und Brot tragen die Platte; Bohnen, Gurkerl, Zwiebel und Kren halten sie lebendig. Damit wird aus Vorratsprodukten eine vollständige, gemeinsam teilbare Mahlzeit.