Kroatische Küche · Küchenpraxis · Rezept
Kroatischer Jägergulasch mit Wild, Pilzen und weicher Polenta
Ein langsam geschmorter Wildgulasch aus Reh und Wildschwein mit Pilzen, Rotwein, Wacholder und Wurzelgemüse. Serviert wird er neben cremig-weicher gelber Polenta.
Kategorie: Wildgulasch/ Küche: Kroatien/ Schwierigkeit: Mittel/ Gesamtzeit: 3 Std.

Die breite Aufnahme zeigt dampfenden dunklen Wildgulasch neben gelber Polenta auf einem rustikalen Holztisch mit grauem Leinentuch und Löffel.
Dunkle Sauce, mageres Wild und genügend Zeit
Lovački gulaš bedeutet Jägergulasch und beschreibt eher eine kulinarische Richtung als eine einzige festgeschriebene Rezeptur. In kroatischen Wildregionen und kontinentalen Gasthäusern kann der Topf Reh, Hirsch, Wildschwein oder eine Mischung enthalten. Pilze, Wurzelgemüse, Wein und aromatische Gewürze erscheinen häufig, doch Mengen und Beilagen wechseln. Die hier gewählte Fassung kombiniert mageres Reh mit etwas fetterem Wildschwein. Diese Mischung ergibt ein ausgewogeneres Schmorgericht: Reh bringt einen klaren Wildgeschmack, Wildschwein liefert Fett und Gelatine, die die Sauce runder machen.
Wildfleisch verlangt sauberes Parieren. Silberhaut wird entfernt, da sie beim Schmoren nicht weich wird und Stücke zusammenzieht. Sichtbares, festes Fett vom Wildschwein kann in kleinen Mengen bleiben, stark riechendes Außenfett wird abgeschnitten. Die Würfel sollten vier bis fünf Zentimeter groß sein. Kleine Stücke trocknen während der langen Garzeit aus, bevor zähes Bindegewebe weich geworden ist. Das Fleisch wird trocken getupft und portionsweise in heißem Öl gebräunt. Ein überfüllter Topf sammelt Wasser; statt Röstung entsteht graues, gekochtes Fleisch.
Große Würfel und kleine Hitze geben dem Wild Zeit, weich zu werden, ohne trocken zu zerfallen.
Zwiebeln sind das Rückgrat der Sauce. Sie garen lange genug, um süß und weich zu werden, ohne dunkel zu verbrennen. Karotte und Sellerie geben Körper, Tomatenmark eine dosierte Säure. Süßes Paprikapulver kommt kurz vor der Flüssigkeit hinzu und wird wie beim Paprikasch vor zu hoher Hitze geschützt. Rotwein löst den Bratensatz. Er kocht einige Minuten offen, damit rohe alkoholische Schärfe abnimmt. Erst danach kommen Brühe, Lorbeer, Wacholder und Thymian in den Topf.
Pilze werden nicht von Anfang an mitgeschmort. Champignons oder braune Egerlinge verlieren sonst ihre Form und geben sämtliches Wasser in die Sauce. Sie bräunen separat und kommen in den letzten 25 Minuten hinzu. So bleiben sichtbare Scheiben und ein eigenständiges Aroma. Das Gulasch wird nicht mit viel Mehl verdickt. Eine kleine Menge Mehl haftet am angebratenen Fleisch und bindet während des Schmorens; zusätzlich reduziert die Sauce bei leicht geöffnetem Deckel. Am Ende soll sie an einem Löffel haften, aber noch zwischen Fleischstücken fließen.
Die Garzeit richtet sich nach dem Zuschnitt. Nach zwei Stunden wird das größte Stück geprüft. Eine Gabel soll leicht eindringen, ohne dass das Fleisch vollständig zerfällt. Wildschwein muss sicher durchgegart sein; im Schmorgericht wird eine Kerntemperatur deutlich über 71 °C erreicht. Die weiche Polenta wird erst in den letzten 25 Minuten gekocht. Sie bleibt bewusst löffelfähig, damit sie die dunkle Sauce aufnehmen kann. Auf dem Teller liegen Gulasch und Polenta nebeneinander, nicht übereinander. So bleiben gelbe Maisstruktur, braune Sauce, Pilze und Fleischstücke sichtbar.
Wild kann je nach Tier, Alter und Zuschnitt deutlich unterschiedliche Garzeiten haben. Die Uhr liefert daher nur einen Rahmen. Ab zwei Stunden wird alle 15 Minuten ein großes Stück geprüft. Ist die Sauce bereits richtig, das Fleisch aber noch fest, kommt etwas heiße Brühe hinzu und der Deckel schließt wieder. Erst wenn das Fleisch weich ist, wird offen reduziert. Diese Reihenfolge verhindert, dass eine konzentrierte Sauce weiter einkocht, während das Bindegewebe noch Zeit benötigt. Salz wird erst nach der letzten Reduktion endgültig eingestellt.
Die Polenta wartet nicht lange. Sobald sie fertig ist, wird sie warm gehalten und gelegentlich mit wenig heißem Wasser gelockert. Bleibt sie offen stehen, bildet sich eine Haut und die Masse wird fest. Das Gulasch kann dagegen zehn Minuten ruhen; diese kurze Pause verbessert die Bindung der Sauce.
Röstung, Reduktion und langsames Nachgeben
Rezept im Überblick. Reh- und Wildschweinwürfel werden trocken pariert, leicht bemehlt und portionsweise gebräunt. Zwiebeln, Karotten und Sellerie garen im Bratensatz, bevor Tomatenmark, Paprikapulver und Rotwein hinzukommen. Nach kurzer Weinreduktion schmort das Fleisch mit Brühe, Lorbeer, Wacholder und Thymian etwa zwei Stunden. Separat gebräunte Pilze kommen erst gegen Ende dazu und behalten ihre Form. Die Sauce wird ohne schwere Mehlschwitze durch Zwiebeln, wenig Mehl und offene Reduktion gebunden. Parallel gart Maisgrieß zu weicher Polenta. Das Fleisch ist fertig, wenn eine Gabel leicht eindringt und das Wildschwein vollständig durchgegart ist.
Zutaten
Für den Jägergulasch
- 700 g Rehschulter — pariert, in 4–5 cm großen Würfeln
- 500 g Wildschweinschulter — pariert, in 4–5 cm großen Würfeln
- 20 g Weizenmehl Type 405 — zum dünnen Bestäuben
- 30 ml Rapsöl — zum portionsweisen Anbraten
- 500 g Zwiebeln — fein gewürfelt
- 200 g Karotten — in kleinen Würfeln
- 120 g Knollensellerie — in kleinen Würfeln
- 30 g Tomatenmark — doppelt konzentriert
- 12 g edelsüßes Paprikapulver — kurz im Fett öffnen
- 300 ml trockener Rotwein — kräftig, nicht süß
- 600 ml ungesalzene Wild- oder Rinderbrühe — heiß
- 300 g braune Champignons — in dicken Scheiben
- 6 Wacholderbeeren — leicht zerdrückt
- 2 Lorbeerblätter — ganz
- 3 Zweige Thymian — zusammengebunden
- 12 g Salz — geteilt und nach Brühe angepasst
- 2 g schwarzer Pfeffer — frisch gemahlen
Für die Polenta
- 300 g grober Maisgrieß — für Polenta
- 1,2 l Wasser — oder milde ungesalzene Brühe
- 30 g Butter — zum Abrunden
- 8 g Salz — für das Kochwasser
Zubereitung Schritt für Schritt
Fleisch und Röstbasis
Wild parieren
Silberhaut und stark riechendes Außenfett entfernen. Fleisch trocken tupfen, mit 8 g Salz und Pfeffer würzen und dünn mit Mehl bestäuben.
Portionsweise bräunen
Öl in einem schweren Schmortopf erhitzen. Wild in drei Portionen je 5–7 Minuten kräftig bräunen und herausnehmen.
Gemüse langsam garen
Zwiebeln im Bratfett 10 Minuten bei mittlerer Hitze weich dünsten. Karotten und Sellerie zufügen und weitere 6 Minuten garen.
Wein reduzieren
Tomatenmark 2 Minuten rösten. Topf kurz von der Hitze ziehen, Paprikapulver einrühren, sofort mit Rotwein ablöschen und 5–7 Minuten auf etwa die Hälfte reduzieren.
Langsam schmoren
Flüssigkeit und Gewürze zugeben
Fleisch samt Saft, Brühe, Wacholder, Lorbeer und Thymian in den Topf geben. Aufkochen, dann zugedeckt bei kleiner Hitze 1 Stunde 45 Minuten schmoren.
Pilze separat bräunen
Champignons in einer großen trockenen Pfanne zunächst Wasser verlieren lassen, dann mit einem Löffel Gulaschfett oder wenig Öl 5 Minuten bräunen.
Pilze mitgaren
Pilze zum Gulasch geben und weitere 25–35 Minuten schmoren. Den Deckel in den letzten 15 Minuten leicht öffnen, bis die Sauce den Löffel dünn überzieht.
Fleisch prüfen
Das größte Stück mit einer Gabel testen. Es soll weich nachgeben, aber nicht faserig zerfallen; Wildschwein ist vollständig durchgegart.
Polenta und Abschluss
Polenta kochen
Wasser mit Salz aufkochen. Maisgrieß unter Rühren einrieseln lassen und nach Packungsart 20–25 Minuten bei kleiner Hitze garen.
Butter einarbeiten
Butter in die weiche Polenta rühren. Bei Bedarf 50–100 ml heißes Wasser zufügen, damit sie löffelfähig bleibt.
Gulasch abschmecken
Lorbeer und Thymian entfernen. Salz und Pfeffer prüfen und das Gulasch 10 Minuten ruhen lassen.
Anrichten
Weiche Polenta an eine Seite tiefer Schalen geben und Gulasch daneben löffeln, sodass Fleischstücke und Pilze sichtbar bleiben.
Servieren, Aufbewahren und Varianten
Servieren
Lovački Gulaš wird heiß und in tiefen Schalen serviert. Weiche Polenta ist die passende ruhige Beilage; Kartoffelknödel oder breites Brot funktionieren ebenfalls. Eine kleine Schale säuerlich eingelegter Paprika kann die kräftige Sauce begleiten.
Aufbewahrung und Wiedererwärmen
Das Gulasch hält drei Tage im Kühlschrank und gewinnt nach einer Nacht an Geschlossenheit. Es wird langsam bis mindestens 74 °C erwärmt, bei Bedarf mit Brühe verdünnt. Polenta wird getrennt gelagert und mit Wasser oder Milch weich gerührt. Gulasch ohne Polenta lässt sich drei Monate einfrieren.
Vier praktikable Varianten
Erstens kann nur Reh verwendet werden; dann kommen 20 g zusätzliche Butter in die Sauce. Zweitens ersetzt Hirsch das Reh ohne Änderung der Garzeit. Drittens geben getrocknete Steinpilze mehr Waldaroma; 15 g werden eingeweicht und mit der gefilterten Flüssigkeit zugegeben. Viertens passt Pflaumenmus in sehr kleiner Menge: 15 g runden eine besonders herbe Wildsauce ab, ohne sie süß zu machen.
Geräte und drei Hinweise aus der Testküche
Ein schwerer Schmortopf, große Pfanne, scharfes Messer und ein Topf für Polenta sind nötig. Erstens wird Wild trocken und in Portionen gebräunt. Zweitens bleibt Wacholder sparsam, da er Pilze und Fleisch sonst überdeckt. Drittens wird die Sauce erst am Ende offen reduziert; frühe starke Verdunstung kann das Fleisch trocken legen.
Nährwerte pro Portion
- Kalorien
- ≈ 690 kcal
- Kohlenhydrate
- ≈ 54 g
- Eiweiß
- ≈ 55 g
- Fett
- ≈ 27 g
- Ballaststoffe
- ≈ 6 g
- Natrium
- ≈ 900 mg
Wichtige Allergene: Gluten, Milch; Sulfite im Rotwein. Die Werte sind Näherungen aus üblichen Referenzwerten; Marken, Zuschnitt, Ölbindung und Portionierung verändern das Ergebnis.
Zeit verwandelt magere Wildwürfel in Fleisch, das unter der Gabel nachgibt.
Jägergulasch gewinnt durch saubere Röstung, mäßige Gewürze und eine lange, ruhige Schmorphase. Pilze bleiben sichtbar, Polenta bleibt weich, und die Sauce trägt den Wildgeschmack ohne ihn zu verdecken.