Kroatische Lepinje

Die quadratische Aufnahme zeigt drei flache Brote in einem mit Leinen ausgelegten Korb; ein Brot ist aufgebrochen und zeigt große Poren.

Kroatische Küche · Küchenpraxis · Rezept

Kroatische Lepinje mit luftiger Krume und goldener Kruste

Runde, flache Hefebrote mit weicher, großporiger Krume und dünner goldener Kruste. Eine feuchte Teigführung und hohe Backtemperatur geben den typischen luftigen Innenraum.

Kategorie: Fladenbrot/ Küche: Kroatien/ Schwierigkeit: Mittel/ Gesamtzeit: 2 Std. 20 Min.

Ergibt6 Lepinje
Vorbereitung25 Min.
Backzeit18 Min.
Kalorien≈ 400 kcal
Kroatische Lepinje im Weidenkorb, eine aufgebrochen mit luftiger Krume auf rustikalem Holztisch

Die breite Aufnahme zeigt drei runde, flache Lepinje in einem Leinenkorb; die aufgebrochene Hälfte macht die großporige Krume sichtbar.

I.

Ein flaches Brot, dessen Inneres nicht flach sein darf

Lepinja ist kein ausschließlich kroatisches Brot. Runde, weiche Fladen dieser Familie werden in weiten Teilen Südosteuropas gebacken und je nach Ort auch somun oder mit verwandten Namen bezeichnet. In Kroatien begleiten Lepinje besonders gegrilltes Fleisch, ćevapčići, Pljeskavica, Zwiebeln und Ajvar, dienen aber ebenso als schlichtes Tischbrot. Die gewählte Fassung konzentriert sich auf das Brot selbst: drei runde Fladen, einer aufgebrochen, sodass die unregelmäßigen großen Poren und die dünne, goldene Kruste sichtbar werden.

Flach geformt bedeutet nicht dicht: Die Porung wird vor dem Formen aufgebaut und danach geschützt.

Die Krume entsteht aus einem relativ weichen Teig. Auf 600 Gramm Mehl kommen 420 Milliliter Wasser, also eine Hydration von 70 Prozent. Dieser Teig klebt stärker als ein fester Brötchenteig und darf nicht mit großen Mengen Zusatzmehl „repariert“ werden. Zu viel Mehl macht die Poren klein und die fertigen Brote trocken. Statt langen, kräftigen Knetens arbeitet das Rezept mit kurzer Maschinen- oder Handmischung und zwei Faltungen während der ersten Gehzeit. Jede Faltung ordnet das Klebergerüst, ohne die eingeschlossene Luft herauszudrücken.

Hefe, Wasser und wenig Zucker starten die Gärung, doch der Teig braucht keine süße Note. Salz kommt nach dem ersten Vermischen dazu und stärkt die Struktur. Das Öl hält die Krume geschmeidig, darf aber nicht in großer Menge verwendet werden, sonst wird das Brot kuchenartig. Nach der ersten Gare wird der Teig auf einer leicht geölten Fläche in sechs Stücke geteilt. Jedes Stück wird nur grob rund gespannt. Starkes Entgasen oder enges Rollen würde die bereits aufgebauten Luftkammern zerstören.

Die zweite Gare geschieht direkt auf Backpapier. Die Teiglinge werden mit geölten Fingerspitzen auf etwa 16 Zentimeter Durchmesser gedrückt. Dabei entstehen flache Mulden, aber keine vollständig durchstochenen Löcher. Das Muster lenkt die Ausdehnung und verhindert eine einzelne große Luftblase, während die Krume innen offen bleibt. Ein Leinentuch schützt die Oberfläche vor Austrocknung. Die Brote müssen sichtbar aufgegangen und leicht federnd sein; ein Fingerabdruck kommt langsam, nicht sofort, zurück.

Starke Unterhitze und ein vorgeheiztes Blech oder ein Backstein geben den ersten Ofentrieb. Bei 240 °C backen die Lepinje 15 bis 18 Minuten. Dampf in den ersten Minuten hält die Oberfläche dehnbar; eine kleine hitzefeste Schale mit heißem Wasser genügt. Die Brote sind fertig, wenn Ober- und Unterseite goldbraun sind und die Mitte etwa 96 °C erreicht. Nach dem Backen liegen sie unter einem sauberen Tuch. Der eingefangene Eigendampf macht die dünne Kruste biegsam, ohne die Krume nass zu machen. Erst nach 20 Minuten werden sie aufgebrochen oder gefüllt.

Die fertige Porung lässt sich nicht durch zusätzliche Hefe erzwingen. Zu viel Hefe beschleunigt die Gare, schwächt aber bei langer Standzeit die Struktur und bringt einen groben Hefegeschmack. Entscheidend sind Wassergehalt, Faltungen, Reife und ein schonender Umgang nach der ersten Gare. Ein einzelner großer Hohlraum unter der Oberseite deutet meist auf zu tiefes oder zu gleichmäßiges Drücken hin. Mehrere flache Fingermulden verteilen den Ofentrieb und schaffen eine unregelmäßige, aber tragfähige Krume, die sich später gut füllen lässt.

Die zwei Backchargen werden möglichst gleich geführt. Nach der ersten Charge heizt die Backfläche fünf Minuten nach, bevor die nächsten Brote eingeschoben werden. Ohne diese Pause startet die zweite Charge auf einem kühleren Blech und bleibt oft flacher. Frischer Dampf wird für jede Charge separat erzeugt.

Weicher Teig, Faltungen und starke Ofenhitze

0:00Teig mischen und klebrige Konsistenz annehmen, statt Zusatzmehl zu geben.
0:30Erste Faltung; nach weiteren 30 Minuten eine zweite Faltung durchführen.
1:20Sechs Teiglinge sanft rund ziehen, flach drücken und erneut gehen lassen.
2:20Bei 240 °C goldbraun backen und 20 Minuten unter einem Tuch ruhen lassen.

Rezept im Überblick. Mehl, Wasser, Hefe, Zucker, Salz und wenig Öl ergeben einen weichen Teig mit 70 Prozent Hydration. Nach kurzer Mischung ruht er und wird während der ersten Gare zweimal gefaltet. Sechs Portionen werden ohne kräftiges Entgasen rund gezogen, auf Backpapier flach gedrückt und mit geölten Fingerspitzen gemustert. Nach der zweiten Gare backen die Lepinje auf einem stark vorgeheizten Blech bei 240 °C. Etwas Dampf unterstützt den Ofentrieb. Nach 15 bis 18 Minuten sind Ober- und Unterseite goldbraun und die Mitte erreicht etwa 96 °C. Unter einem Tuch wird die Kruste während der Ruhezeit weich und biegsam.

II.

Zutaten

Für sechs Lepinje

  • 600 g Weizenmehl Type 550eiweißstarkes Brotmehl
  • 420 ml lauwarmes Wasseretwa 28 °C
  • 7 g Trockenhefeoder 21 g Frischhefe
  • 10 g Zuckerfür den Hefestart
  • 12 g feines Salznach dem ersten Vermischen
  • 20 ml Olivenöl oder Rapsölplus wenig für Hände und Schüssel

Für Ofen und Oberfläche

  • 100 ml heißes Wasserfür eine kleine Dampfschale
  • 5 g Weizenmehlzum sehr leichten Bestäuben des Backpapiers
Allergene und Ersatz. Enthalten ist Gluten. Dinkelmehl Type 630 kann höchstens die Hälfte des Weizenmehls ersetzen; der Teig braucht dann möglicherweise 10–20 ml weniger Wasser. Eine glutenfreie Lepinja verlangt eine eigene Mehlmischung mit Bindemittel und ist keine direkte Eins-zu-eins-Ersetzung.
III.

Zubereitung Schritt für Schritt

Teig und erste Gare

  1. Hefe anrühren

    Wasser, Hefe und Zucker verrühren und 5 Minuten stehen lassen, bis sich einzelne Bläschen zeigen.

  2. Teig mischen

    Mehl und Hefewasser 3 Minuten mischen. Salz und Öl zugeben und weitere 5 Minuten kneten. Der Teig bleibt weich und klebrig, löst sich aber teilweise von der Schüssel.

  3. Erste Faltung

    Teig in eine geölte Schüssel geben. Nach 30 Minuten eine Seite hochziehen und zur Mitte legen; Schüssel drehen und viermal wiederholen.

  4. Zweite Faltung

    Nach weiteren 30 Minuten erneut falten. Dann 20 Minuten ruhen lassen, bis der Teig sichtbar luftiger ist.

Formen und zweite Gare

  1. Teig teilen

    Teig auf eine leicht geölte Fläche geben und in sechs Stücke von je etwa 178 g teilen. Nicht mit Mehl trockenlegen.

  2. Locker rund ziehen

    Jedes Stück mit geölten Händen locker rund ziehen und mit Schluss nach unten auf zwei Bögen Backpapier legen.

  3. Flach drücken

    Teiglinge mit geölten Fingerspitzen auf etwa 16 cm Durchmesser drücken. Mehrere flache Mulden eindrücken, ohne den Teig zu durchstechen.

  4. Gehen lassen

    Mit einem Tuch abdecken und 35–45 Minuten gehen lassen. Ein Fingerabdruck soll langsam zurückfedern.

Heiß backen

  1. Ofen vorheizen

    Backofen mit umgedrehtem Blech oder Backstein mindestens 30 Minuten auf 240 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

  2. Erste Charge backen

    Drei Lepinje samt Papier auf die heiße Fläche ziehen, 50 ml heißes Wasser in eine kleine Dampfschale geben und 15–18 Minuten backen.

  3. Gargrad prüfen

    Die Brote sollen oben und unten goldbraun sein und innen etwa 96 °C erreichen. Zweite Charge ebenso backen.

  4. Unter Tuch ruhen

    Heiße Lepinje sofort auf ein Gitter legen und 20 Minuten mit einem sauberen Tuch bedecken, damit die Kruste dünn und biegsam bleibt.

IV.

Servieren, Aufbewahren und Varianten

Servieren

Lepinje werden seitlich aufgeschnitten und mit gegrilltem Fleisch, Zwiebeln und Ajvar gefüllt oder als Tischbrot zu Eintöpfen gereicht. Kurz vor dem Füllen können die Schnittflächen auf dem Grill erwärmt werden, ohne das ganze Brot auszutrocknen.

Aufbewahrung und Wiedererwärmen

Am Backtag sind Lepinje am weichsten. Gut verpackt halten sie zwei Tage bei Raumtemperatur. Zum Erwärmen werden sie leicht mit Wasser besprüht und 5 Minuten bei 180 °C gebacken. Vollständig ausgekühlte Brote lassen sich bis zu drei Monate einfrieren und direkt aus dem Gefrierfach erwärmen.

Vier praktikable Varianten

Erstens kann ein Drittel des Mehls durch feines Vollkornmehl ersetzt werden; dafür kommen etwa 20 ml zusätzliches Wasser hinzu. Zweitens geben Schwarzkümmel oder Sesam eine Oberfläche mit Samen, obwohl die gezeigte Fassung schlicht bleibt. Drittens lässt sich die Hefe halbieren und die erste Gare über Nacht im Kühlschrank führen. Viertens entstehen kleinere Sandwichbrote aus acht Portionen mit 13 bis 14 Minuten Backzeit.

Geräte und drei Hinweise aus der Testküche

Eine große Schüssel, Teigkarte, Waage, Backpapier, umgedrehtes Blech oder Backstein und Thermometer sind hilfreich. Erstens wird klebriger Teig mit Öl statt zusätzlichem Mehl gehandhabt. Zweitens erfolgt das Formen sanft, damit große Gasblasen bleiben. Drittens muss die Backfläche vollständig vorgeheizt sein; ein nur warmer Blechboden ergibt blasse, dichte Fladen.

V.

Nährwerte pro Portion

Kalorien
≈ 400 kcal
Kohlenhydrate
≈ 78 g
Eiweiß
≈ 11 g
Fett
≈ 5 g
Ballaststoffe
≈ 3 g
Natrium
≈ 790 mg

Wichtige Allergene: Gluten. Die Werte sind Näherungen aus üblichen Referenzwerten; Marken, Zuschnitt, Ölbindung und Portionierung verändern das Ergebnis.

Die richtige Lepinja ist flach in der Form und offen in der Krume.

Hohe Hydration, zwei Faltungen und behutsames Formen schaffen die großen Poren. Ein vollständig vorgeheizter Ofen gibt Volumen, während die Ruhe unter dem Tuch die goldene Kruste weich genug zum Füllen hält.

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