Kroatische Küche · Küchenpraxis · Rezept
Kroatische Lepinje mit luftiger Krume und goldener Kruste
Runde, flache Hefebrote mit weicher, großporiger Krume und dünner goldener Kruste. Eine feuchte Teigführung und hohe Backtemperatur geben den typischen luftigen Innenraum.
Kategorie: Fladenbrot/ Küche: Kroatien/ Schwierigkeit: Mittel/ Gesamtzeit: 2 Std. 20 Min.

Die breite Aufnahme zeigt drei runde, flache Lepinje in einem Leinenkorb; die aufgebrochene Hälfte macht die großporige Krume sichtbar.
Ein flaches Brot, dessen Inneres nicht flach sein darf
Lepinja ist kein ausschließlich kroatisches Brot. Runde, weiche Fladen dieser Familie werden in weiten Teilen Südosteuropas gebacken und je nach Ort auch somun oder mit verwandten Namen bezeichnet. In Kroatien begleiten Lepinje besonders gegrilltes Fleisch, ćevapčići, Pljeskavica, Zwiebeln und Ajvar, dienen aber ebenso als schlichtes Tischbrot. Die gewählte Fassung konzentriert sich auf das Brot selbst: drei runde Fladen, einer aufgebrochen, sodass die unregelmäßigen großen Poren und die dünne, goldene Kruste sichtbar werden.
Flach geformt bedeutet nicht dicht: Die Porung wird vor dem Formen aufgebaut und danach geschützt.
Die Krume entsteht aus einem relativ weichen Teig. Auf 600 Gramm Mehl kommen 420 Milliliter Wasser, also eine Hydration von 70 Prozent. Dieser Teig klebt stärker als ein fester Brötchenteig und darf nicht mit großen Mengen Zusatzmehl „repariert“ werden. Zu viel Mehl macht die Poren klein und die fertigen Brote trocken. Statt langen, kräftigen Knetens arbeitet das Rezept mit kurzer Maschinen- oder Handmischung und zwei Faltungen während der ersten Gehzeit. Jede Faltung ordnet das Klebergerüst, ohne die eingeschlossene Luft herauszudrücken.
Hefe, Wasser und wenig Zucker starten die Gärung, doch der Teig braucht keine süße Note. Salz kommt nach dem ersten Vermischen dazu und stärkt die Struktur. Das Öl hält die Krume geschmeidig, darf aber nicht in großer Menge verwendet werden, sonst wird das Brot kuchenartig. Nach der ersten Gare wird der Teig auf einer leicht geölten Fläche in sechs Stücke geteilt. Jedes Stück wird nur grob rund gespannt. Starkes Entgasen oder enges Rollen würde die bereits aufgebauten Luftkammern zerstören.
Die zweite Gare geschieht direkt auf Backpapier. Die Teiglinge werden mit geölten Fingerspitzen auf etwa 16 Zentimeter Durchmesser gedrückt. Dabei entstehen flache Mulden, aber keine vollständig durchstochenen Löcher. Das Muster lenkt die Ausdehnung und verhindert eine einzelne große Luftblase, während die Krume innen offen bleibt. Ein Leinentuch schützt die Oberfläche vor Austrocknung. Die Brote müssen sichtbar aufgegangen und leicht federnd sein; ein Fingerabdruck kommt langsam, nicht sofort, zurück.
Starke Unterhitze und ein vorgeheiztes Blech oder ein Backstein geben den ersten Ofentrieb. Bei 240 °C backen die Lepinje 15 bis 18 Minuten. Dampf in den ersten Minuten hält die Oberfläche dehnbar; eine kleine hitzefeste Schale mit heißem Wasser genügt. Die Brote sind fertig, wenn Ober- und Unterseite goldbraun sind und die Mitte etwa 96 °C erreicht. Nach dem Backen liegen sie unter einem sauberen Tuch. Der eingefangene Eigendampf macht die dünne Kruste biegsam, ohne die Krume nass zu machen. Erst nach 20 Minuten werden sie aufgebrochen oder gefüllt.
Die fertige Porung lässt sich nicht durch zusätzliche Hefe erzwingen. Zu viel Hefe beschleunigt die Gare, schwächt aber bei langer Standzeit die Struktur und bringt einen groben Hefegeschmack. Entscheidend sind Wassergehalt, Faltungen, Reife und ein schonender Umgang nach der ersten Gare. Ein einzelner großer Hohlraum unter der Oberseite deutet meist auf zu tiefes oder zu gleichmäßiges Drücken hin. Mehrere flache Fingermulden verteilen den Ofentrieb und schaffen eine unregelmäßige, aber tragfähige Krume, die sich später gut füllen lässt.
Die zwei Backchargen werden möglichst gleich geführt. Nach der ersten Charge heizt die Backfläche fünf Minuten nach, bevor die nächsten Brote eingeschoben werden. Ohne diese Pause startet die zweite Charge auf einem kühleren Blech und bleibt oft flacher. Frischer Dampf wird für jede Charge separat erzeugt.
Weicher Teig, Faltungen und starke Ofenhitze
Rezept im Überblick. Mehl, Wasser, Hefe, Zucker, Salz und wenig Öl ergeben einen weichen Teig mit 70 Prozent Hydration. Nach kurzer Mischung ruht er und wird während der ersten Gare zweimal gefaltet. Sechs Portionen werden ohne kräftiges Entgasen rund gezogen, auf Backpapier flach gedrückt und mit geölten Fingerspitzen gemustert. Nach der zweiten Gare backen die Lepinje auf einem stark vorgeheizten Blech bei 240 °C. Etwas Dampf unterstützt den Ofentrieb. Nach 15 bis 18 Minuten sind Ober- und Unterseite goldbraun und die Mitte erreicht etwa 96 °C. Unter einem Tuch wird die Kruste während der Ruhezeit weich und biegsam.
Zutaten
Für sechs Lepinje
- 600 g Weizenmehl Type 550 — eiweißstarkes Brotmehl
- 420 ml lauwarmes Wasser — etwa 28 °C
- 7 g Trockenhefe — oder 21 g Frischhefe
- 10 g Zucker — für den Hefestart
- 12 g feines Salz — nach dem ersten Vermischen
- 20 ml Olivenöl oder Rapsöl — plus wenig für Hände und Schüssel
Für Ofen und Oberfläche
- 100 ml heißes Wasser — für eine kleine Dampfschale
- 5 g Weizenmehl — zum sehr leichten Bestäuben des Backpapiers
Zubereitung Schritt für Schritt
Teig und erste Gare
Hefe anrühren
Wasser, Hefe und Zucker verrühren und 5 Minuten stehen lassen, bis sich einzelne Bläschen zeigen.
Teig mischen
Mehl und Hefewasser 3 Minuten mischen. Salz und Öl zugeben und weitere 5 Minuten kneten. Der Teig bleibt weich und klebrig, löst sich aber teilweise von der Schüssel.
Erste Faltung
Teig in eine geölte Schüssel geben. Nach 30 Minuten eine Seite hochziehen und zur Mitte legen; Schüssel drehen und viermal wiederholen.
Zweite Faltung
Nach weiteren 30 Minuten erneut falten. Dann 20 Minuten ruhen lassen, bis der Teig sichtbar luftiger ist.
Formen und zweite Gare
Teig teilen
Teig auf eine leicht geölte Fläche geben und in sechs Stücke von je etwa 178 g teilen. Nicht mit Mehl trockenlegen.
Locker rund ziehen
Jedes Stück mit geölten Händen locker rund ziehen und mit Schluss nach unten auf zwei Bögen Backpapier legen.
Flach drücken
Teiglinge mit geölten Fingerspitzen auf etwa 16 cm Durchmesser drücken. Mehrere flache Mulden eindrücken, ohne den Teig zu durchstechen.
Gehen lassen
Mit einem Tuch abdecken und 35–45 Minuten gehen lassen. Ein Fingerabdruck soll langsam zurückfedern.
Heiß backen
Ofen vorheizen
Backofen mit umgedrehtem Blech oder Backstein mindestens 30 Minuten auf 240 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.
Erste Charge backen
Drei Lepinje samt Papier auf die heiße Fläche ziehen, 50 ml heißes Wasser in eine kleine Dampfschale geben und 15–18 Minuten backen.
Gargrad prüfen
Die Brote sollen oben und unten goldbraun sein und innen etwa 96 °C erreichen. Zweite Charge ebenso backen.
Unter Tuch ruhen
Heiße Lepinje sofort auf ein Gitter legen und 20 Minuten mit einem sauberen Tuch bedecken, damit die Kruste dünn und biegsam bleibt.
Servieren, Aufbewahren und Varianten
Servieren
Lepinje werden seitlich aufgeschnitten und mit gegrilltem Fleisch, Zwiebeln und Ajvar gefüllt oder als Tischbrot zu Eintöpfen gereicht. Kurz vor dem Füllen können die Schnittflächen auf dem Grill erwärmt werden, ohne das ganze Brot auszutrocknen.
Aufbewahrung und Wiedererwärmen
Am Backtag sind Lepinje am weichsten. Gut verpackt halten sie zwei Tage bei Raumtemperatur. Zum Erwärmen werden sie leicht mit Wasser besprüht und 5 Minuten bei 180 °C gebacken. Vollständig ausgekühlte Brote lassen sich bis zu drei Monate einfrieren und direkt aus dem Gefrierfach erwärmen.
Vier praktikable Varianten
Erstens kann ein Drittel des Mehls durch feines Vollkornmehl ersetzt werden; dafür kommen etwa 20 ml zusätzliches Wasser hinzu. Zweitens geben Schwarzkümmel oder Sesam eine Oberfläche mit Samen, obwohl die gezeigte Fassung schlicht bleibt. Drittens lässt sich die Hefe halbieren und die erste Gare über Nacht im Kühlschrank führen. Viertens entstehen kleinere Sandwichbrote aus acht Portionen mit 13 bis 14 Minuten Backzeit.
Geräte und drei Hinweise aus der Testküche
Eine große Schüssel, Teigkarte, Waage, Backpapier, umgedrehtes Blech oder Backstein und Thermometer sind hilfreich. Erstens wird klebriger Teig mit Öl statt zusätzlichem Mehl gehandhabt. Zweitens erfolgt das Formen sanft, damit große Gasblasen bleiben. Drittens muss die Backfläche vollständig vorgeheizt sein; ein nur warmer Blechboden ergibt blasse, dichte Fladen.
Nährwerte pro Portion
- Kalorien
- ≈ 400 kcal
- Kohlenhydrate
- ≈ 78 g
- Eiweiß
- ≈ 11 g
- Fett
- ≈ 5 g
- Ballaststoffe
- ≈ 3 g
- Natrium
- ≈ 790 mg
Wichtige Allergene: Gluten. Die Werte sind Näherungen aus üblichen Referenzwerten; Marken, Zuschnitt, Ölbindung und Portionierung verändern das Ergebnis.
Die richtige Lepinja ist flach in der Form und offen in der Krume.
Hohe Hydration, zwei Faltungen und behutsames Formen schaffen die großen Poren. Ein vollständig vorgeheizter Ofen gibt Volumen, während die Ruhe unter dem Tuch die goldene Kruste weich genug zum Füllen hält.