An der kroatischen Küste findet man Krabben in vielen Variationen auf den Speisekarten, doch eine Zubereitungsart sticht durch ihre subtile Raffinesse hervor: Seespinne-Salat. In Reiseführern zur Küstengastronomie wird die Seespinne neben Kvarner-Garnelen und Hummer als seltene Delikatesse der nördlichen Adria erwähnt, geschätzt für ihr süßes, zartes Fleisch, das mit größeren, bekannteren Schalentieren mithalten kann. Seespinnen Bezeichnet üblicherweise eine Stachelkrabbenart, die in der Nähe von Istrien und um Pula gefangen wird, wo sie von den einheimischen Köchen als Luxuszutat behandelt wird. Das Fleisch wird mit kaum mehr als Olivenöl und Zitrusfrüchten serviert, damit der Geschmack klar und frisch bleibt.
Seespinnensalat gehört zur selben Familie wie kroatischer Oktopussalat und andere dalmatinische Meeresfrüchtesalate: einfache, pikant gewürzte Gerichte, die kalt serviert werden, oft als Auftakt eines ausgedehnten Mittagessens oder als Teil einer Auswahl kleiner Speisen. Typische Salate der Adria folgen einem festen Muster: zarte Meeresfrüchte, gutes natives Olivenöl extra, Säure von Zitrone oder Weinessig, Knoblauch, Petersilie, manchmal Zwiebeln, Kapern oder ein paar Würfel gekochter Kartoffeln. Das Ziel ist immer dasselbe: frische Meeresfrüchte zuerst, Würze erst danach.
In vielen Restaurants an der Kvarner- und der istrischen Küste wird die Seespinne nur kurz in Salzwasser gegart und anschließend, solange sie noch leicht warm ist, mit Öl und Zitrusfrüchten mariniert. Kroatische Tourismusbroschüren bezeichnen diese Krabbe, zusammen mit der Kvarner-Garnele, sogar als eine der „Könige“ der lokalen Meeresfrüchte und heben ihre besonders zarte Konsistenz hervor. Gleichzeitig wird darauf hingewiesen, dass die Überfischung sie zu einer Seltenheit gemacht hat. Diese Seltenheit erklärt, warum Seespinne-Salat vor allem in Restaurants angeboten wird, die Wert auf sorgfältig ausgewählte Zutaten und saisonale Gerichte legen.
Diese Variante des Krabbensalats orientiert sich eng an der Küstenrezeptur. Ganze Krabben werden schonend in aromatischem, leicht gesalzenem Wasser gegart und anschließend so weit abgekühlt, dass sie sich gut anfassen lassen. Das Fleisch wird sorgfältig aus Körper, Scheren und Beinen gelöst und mit einem dezenten Dressing aus dalmatinischem Olivenöl, Zitronensaft, einem Hauch Weißweinessig, Knoblauch, glatter Petersilie und fein gewürfelten roten Zwiebeln vermengt. Einige Kapern verleihen dem Salat eine salzige Note, die gut zum Krabbengeschmack passt, ohne ihn zu überdecken. Der Salat zieht so lange im Kühlschrank, bis sich die Aromen voll entfaltet haben und das Dressing jedes einzelne Stück Fleisch umhüllt.
Die richtige Textur ist hier entscheidend. Gut zubereitetes Krabbenfleisch hat eine feine, leicht seidige Konsistenz mit kleinen Flocken, die zwar zusammenhalten, sich aber dennoch leicht mit einer Gabel trennen lassen. Das Dressing sollte die Stücke glänzen lassen, anstatt sie zu überdecken. Zwiebeln bleiben fein gehackt, sodass sie Biss und Schärfe beisteuern, ohne zu dominieren. Kapern sorgen für eine dezente Salznote. Für Frische und Struktur kann eine kleine Menge gewürfelter Gurke oder Sellerie hinzugefügt werden, obwohl viele Küstenköche es vorziehen, Gemüse eher dezent zu halten und den Geschmack der Meeresfrüchte für sich sprechen zu lassen.
Aus praktischer Sicht eignet sich Seespinnensalat sowohl für entspannte Familienessen als auch für formellere Anlässe. Die Krabbe kann im Voraus zubereitet und ausgelöst werden, und der angemachte Salat schmeckt nach kurzem Kühlen sogar noch besser, was ihn ideal für Gäste macht. Serviert in der umgedrehten Krabbenschale oder in einer flachen Keramikschale mit gegrilltem oder knusprigem Weißbrot, fügt er sich harmonisch in ein Menü ein, das beispielsweise dalmatinischen Prosciutto, einfache grüne Salate oder gegrillten Fisch umfasst. Ein Glas gekühlter Pošip, Malvazija oder ein anderer Weißwein von der Küste rundet das Gericht ab und entspricht der lokalen Tradition in Istrien und der Kvarner-Region, wo die Weinbegleitung zu Fischgerichten eine zentrale Rolle spielt.
Dieses Rezept richtet sich an Hobbyköche, die keine Adriatische Spinnenkrabbe bekommen können. Es funktioniert aber auch hervorragend mit anderen Krabbenarten wie der Blaukrabbe, der Dungeness-Krabbe oder hochwertigem, pasteurisiertem Krabbenfleisch. Die Zubereitungsmethode zeichnet sich durch schonendes Garen, sorgfältiges Würzen und eine Textur aus, die den Charakter kroatischer Küstensalate widerspiegelt: klare, reine Aromen, basierend auf exzellenten Meeresfrüchten, Olivenöl und wenigen, unkomplizierten Zutaten.