In vielen kroatischen Haushalten bringt der Beginn der kalten Jahreszeit einen vertrauten Duft aus der Küche mit sich: lange geköcheltes Sauerkraut, geräuchertes Schweinefleisch, süße Zwiebeln und Paprika. Kiseli kupus s mesom, ein Sauerkrauteintopf mit Schweinefleisch, gehört zu den Gerichten, die die Wintermonate, die Zeit der Schweineschlachtung und die Familienbesuche vom frühen Advent bis tief in den Januar hinein begleiten. Die Rezepte variieren zwar von Region zu Region, doch die Grundidee bleibt dieselbe: ein großer Topf mit fermentiertem Kohl und Fleisch, der stundenlang auf dem Herd köchelt und jeden bewirtet, der zur Tür hereinkommt.
Das Herzstück des Eintopfs ist SauerkrautSauerkraut ist fermentierter Kohl, der üblicherweise in Fässern oder großen Gläsern abgefüllt wird. Kroatisches Sauerkraut ist recht kräftig im Geschmack, mit einer ausgeprägten Milchsäurenote und einem guten Salzgehalt. Es ist also weit mehr als nur eine dezente Geschmacksnote. Es prägt den gesamten Charakter des Eintopfs und verleiht der Brühe eine lebhafte Säure, die die Reichhaltigkeit von Schweinefett und geräuchertem Fleisch ausgleicht. Manche Köche waschen den Kohl gründlich ab, um ein leichteres Ergebnis zu erzielen, während andere ihn nur kurz abspülen und so eine schärfere Note bevorzugen, die den Gaumen an einem kalten Tag erfrischt.
Die Fleischkomponente des Gerichts ist ebenso wichtig. Frische Schweineschulter oder -hals verleihen dem Eintopf Substanz und zarte Fasern, sobald sich die Fasern beim langen Köcheln entspannen. Geräucherte Rippchen, Speck oder gepökelte Haxen bringen eine zweite Dimension ein: Tiefe durch Rauch und Pökeln sowie reichlich Gelatine und Kollagen, die sich in der Flüssigkeit auflösen. Diese Kombination aus frischem und geräuchertem Fleisch prägt viele Wintergerichte aus dem kontinentalen Kroatien und Slawonien, wo die Schweinehaltung noch immer Teil der lokalen Esskultur ist und nichts vom Tier verschwendet wird.
Ein richtiges Kiseli Kupus Mesom braucht Zeit. Zuerst werden die Zwiebeln in Schweinefett oder Schmalz langsam weichgebraten, bis sie süß und hellgoldgelb sind. Paprika kommt kurz dazu und entfaltet sein Aroma im heißen Fett, bevor Flüssigkeit hinzugegeben wird. So bleiben Farbe und Aroma erhalten. Manche Köche geben noch einen Löffel Tomatenmark hinzu, um Farbe und eine angenehme Abrundung zu erzielen, die die säuerlichen und rauchigen Noten verbindet. Danach schichten sich die Zutaten im Topf nacheinander: Sauerkraut, Fleisch, vielleicht ein oder zwei Karotten, Lorbeerblätter und Pfefferkörner sowie so viel Brühe oder Wasser, dass alles sanft köchelt.
Diese Variante zielt auf ein ausgewogenes, bodenständiges Ergebnis ab, das die Tradition respektiert und sich gleichzeitig nahtlos in die moderne Küche einfügt. Frische Schweineschulter und geräucherte Rippchen geben dem Gericht Struktur und Geschmack, ohne den Kohl zu überdecken. Das Sauerkraut wird kurz abgespült, um seine Schärfe zu mildern, aber seinen Charakter zu bewahren. Paprika und Knoblauch kommen in zwei kleinen Schritten zum Einsatz: einmal zu Beginn, um die Basis zu aromatisieren, und dann noch einmal am Ende als kurze Knoblauch-Paprika-Aromen in heißem Fett, die kurz vor dem Servieren untergerührt werden, um das Aroma zu intensivieren.
Dieser Eintopf passt zu vielen Anlässen. Er eignet sich hervorragend als gemütliches Sonntagsessen, serviert mit Salzkartoffeln oder knusprigem Brot. Auch bei größeren Gruppen im Winter ist er ein Genuss, da sein Geschmack über Stunden und sogar über Nacht noch intensiver wird. Wer herzhafte, fleischbetonte Gerichte bevorzugt, wird die Tiefe des Rauch- und Fermentationsaromas zu schätzen wissen, während alle, die es gerne etwas säuerlicher mögen, die frische Note des Kohls genießen werden. Mit einfachen Zutaten, einem einzigen Topf und sanfter Hitze vermittelt dieser Eintopf ein Gefühl von kroatischer Winterküche – praktisch und wohltuend zugleich.