Ungewöhnliche Festivals, die es wert sind, besucht zu werden
Während die großen städtischen Tshechus (religiöse Tanzfeste) Massen anziehen, bieten kleinere regionale Feste Intimität und einzigartige Themen:
- Haa Sommerfest (Nomadenfest): Jeden Juli erwacht das alpine Tal von Haa mit einem zweitägigen Fest seiner nomadischen Hirtenkultur zum Leben. Das Sommerfest von Haa ist eine relativ neue Veranstaltung, die von der Gemeinde und dem Tourismusverband organisiert wird, um die Traditionen des westbhutanischen Hochlands zu präsentieren. Auf einer von Kiefern gesäumten Hochwiese sieht man die Brokpa und Dakpa (Nomaden aus Haa und den angrenzenden Regionen) mit ihren Yaks und ihrem Vieh versammelt. Zu den Programmpunkten gehören Vorführungen des Yakmelkens und der Kälberaufzucht, traditionelle Sportarten wie Keyjum (Stangenziehen) und Pferderennen sowie zahlreiche Lieder und Tänze. Es herrscht eine fröhliche, familienfreundliche Festatmosphäre: Einheimische Frauen in ihren schönsten bestickten Kleidern verkaufen getrockneten Käse und Hoentey-Knödel, während Schuljungen in einer Ecke Dego (Steinwerfen) spielen. Da nur wenige Touristen da sind, erlebt man das Fest Seite an Seite mit den Dorfbewohnern – und tanzt vielleicht sogar spontan mit, wenn am Nachmittag die Musik beginnt. Die Gastfreundschaft ist überwältigend; Wundern Sie sich nicht, wenn Sie eingeladen werden, bei einem Bogenschießwettbewerb als Schiedsrichter mitzuwirken oder einfach mit einer einheimischen Familie zu picknicken, die Sie unbedingt all ihre hausgemachten Gerichte probieren lassen möchte. Für unkonventionelle Reisende ist der Besuch dieses Festivals ein absolutes Highlight: Sie erleben Aspekte der bhutanischen Kultur (wie Yak-Tänze und traditionelles Kochen am offenen Feuer), die selbst viele Stadtbewohner Bhutans noch nie aus erster Hand gesehen haben.
- Jambay Lhakhang Drup (Fest des Feuersegens): Ende Oktober oder Anfang November, in der kühlen Abendluft von Bumthang, ereignet sich im Jambay Lhakhang (einem der ältesten Tempel Bhutans) etwas Mystisches. Das Jambay Lhakhang Drup ist ein mehrtägiges Fest, dessen berühmtestes Ereignis der Tercham oder „Nackttanz“ ist, der in einer der Nächte um Mitternacht aufgeführt wird. Als Ausländer können Sie unter Einhaltung bestimmter Regeln teilnehmen (Fotografieren verboten, Ehrfurcht wahren). Stellen Sie sich Folgendes vor: Um ein Lagerfeuer im Tempelhof beginnen maskierte Tänzer heilige Chams. Dann tanzt eine Gruppe von Männern, die nichts als kleine Masken und etwa ein Dutzend Schambänder um die Hüften tragen, im flackernden Licht. Die Menge – zumeist Einheimische mit Gebetsketten in den Händen – beobachtet das Geschehen still, im Glauben, dass dieser Tanz, der die Gottheiten anruft, Sünden sühnen und Fruchtbarkeit schenken kann. Die Dunkelheit, die Flammen, die Silhouetten der Tänzer und der jahrhundertealte Tempel als Kulisse schaffen eine unvergleichliche Atmosphäre. Es ist geheimnisvoll und keineswegs voyeuristisch; man hat eher das Gefühl, einem uralten, geheimen Ritual beizuwohnen. Am Vormittag finden traditionelle Maskentänze und Segnungszeremonien statt (darunter eine Feuersegnung, bei der die Gläubigen mit einem brennenden Strohbogen über glühende Kohlen springen), doch das Tercham-Fest um Mitternacht macht dieses Festival so einzigartig. Für unkonventionelle Reisende ist die Planung eines Aufenthalts in Bumthang zu diesem Zeitpunkt logistisch etwas knifflig (eine Vorreservierung ist erforderlich, da die Unterkünfte mit bhutanischen Pilgern ausgebucht sind), aber es lohnt sich absolut, wenn man sich für die tiefgründigen und seltenen spirituellen Traditionen des Himalaya interessiert. Es wird ein Festivalerlebnis sein, das man wahrscheinlich nie vergessen wird.
- Schwarzhalskranich-Festival (Naturschutz trifft Kultur): Jedes Jahr am 11. November, wenn die vom Aussterben bedrohten Kraniche im Phobjikha-Tal eintreffen, veranstalten die Gemeinde und Naturschutzgruppen im Hof des Gangtey-Klosters ein besonderes Schwarzhalskranichfest. Schulkinder führen bezaubernde Kranichtänze in Kostümen mit langen Hälsen und Flügeln auf und ahmen so die anmutigen Vögel nach. Traditionelle Volkslieder besingen die Verbundenheit der Phobjikha-Bevölkerung mit ihren gefiederten Gästen. Es ist ein einzigartiges Fest mit einer wichtigen Umweltbotschaft: Informationsstände klären über den Schutz der Kraniche auf, und der gesamte Erlös kommt dem lokalen Kranichzentrum zugute. Das Fest ist ideal für Familien und Naturliebhaber: Man erfährt mehr über Bhutans Engagement für den Schutz dieser heiligen Vögel und kann gleichzeitig Maskentänze und kulturelle Darbietungen genießen. Die Atmosphäre ist fröhlich und gemeinschaftlich geprägt. Wer unkonventionell reist, kann sich (nach vorheriger Absprache) sogar freiwillig engagieren und den Einheimischen beim Aufbau helfen – beispielsweise den Kindern beim Bemalen von Kranichmasken oder den Mönchen beim Einrichten der Sitzplätze. Das Schwarzhalskranichfest bietet einen herzerwärmenden Einblick in die harmonische Verbindung von Kultur und Naturschutz. Nach den Tänzen spazieren viele Teilnehmer zu den nahegelegenen Sümpfen, um in aller Ruhe echte Kraniche bei der Nahrungsaufnahme zu beobachten – eine perfekte Mischung aus Festivalvergnügen und Naturverbundenheit.
- Ura Yakchoe (Fest der verborgenen Relikte): In Ura, dem höchstgelegenen Dorf von Bumthang, findet jedes Jahr im April das malerische Frühlingsfest Ura Yakchoe statt. Im Mittelpunkt steht eine heilige Reliquie – eine vergoldete Urne, die als spiritueller Schatz gilt, der von einem Lama offenbart wurde. Während des Yakchoe-Festes wird diese Reliquie ausgestellt, damit die Dorfbewohner ihren Segen empfangen können. Das Fest ist typisch lokal: Frauen in ihren farbenprächtigsten Kushütara-Gewändern und Männer in traditionellen Schafwoll-Ghos führen langsame Volkstänze im Dorfhof auf. Höhepunkt ist der Yakchoe-Tanz selbst, bei dem die Bewohner nachspielen, wie sie die Reliquie von einer Schutzgottheit erhalten haben. Sie tragen aufwendige Brokatkostüme und Kopfschmuck aus Yakhorn in einer theatralischen Aufführung, die man anderswo selten sieht. Da Ura abgelegen liegt, gibt es nur wenige Touristen; Sie könnten tatsächlich der einzige Ausländer dort sein. Sie werden daher nicht als Fremder, sondern als Ehrengast behandelt – oft von einer Ura-Familie eingeladen, mit ihnen zusammenzusitzen, zwischen den Tanzvorführungen selbstgemachtes Ara und Snacks zu genießen und sogar nach den Tagesveranstaltungen an einem abendlichen Beisammensein auf dem Bauernhof teilzunehmen. Ura Yakchoe zu besuchen ist wie zufällig in ein jahrhundertealtes Fest in einem mittelalterlichen Dorf hineinzuplatzen – absolut authentisch und herzlich. Und wenn die Dorfbewohner nachts unter dem Sternenhimmel ihre gemeinsamen „Choe“-Lieder singen (manchmal geht das Fest auch in Privathäusern weiter), erleben Sie eine Seite Bhutans, die kein Reiseführer wirklich erfassen kann.
- Lokale und weniger bekannte Feste: Darüber hinaus hat fast jeder Bezirk sein eigenes kleines Tshechu oder saisonales Fest, das einen Besuch wert ist, wenn man in der Gegend ist. Zum Beispiel das Chhukha Tshechu im Süden (mit Tänzen, die im Norden selten aufgeführt werden) oder das Matsutake-Pilzfest in Genekha (Thimphu) im August, wo die Dorfbewohner die Pilzernte mit Spielen und Pilzgerichten feiern. Selbst ein bescheidenes jährliches Ritual wie ein „Gompa Choepa“ (Klosterweihe) in einem Dorf kann sich zu einem lebhaften Mini-Festival entwickeln, wenn man zufällig darauf stößt – vielleicht kann man an einer Prozession teilnehmen oder an einem gemeinsamen Festmahl für alle Anwesenden. Wichtig ist, flexibel und neugierig zu sein; fragen Sie die Einheimischen, ob Veranstaltungen stattfinden. Bhutans Festkalender ist dynamisch (viele basieren auf Mondphasen), und manchmal sind die schönsten Erlebnisse die ungeplanten Momente, in denen man denkt: „Hey, du hast Glück – in unserem Dorf findet morgen ein Ritual statt, komm doch mit!“
(Tipp: Informieren Sie sich über den jährlichen Festivalkalender auf der Website des Tourismusverbands oder fragen Sie Ihren Reiseveranstalter nach weniger bekannten Festivals während Ihres Reisemonats. Die Planung einer Reise rund um eines dieser ungewöhnlichen Festivals kann Ihrer Reise einen Höhepunkt verleihen und Ihr kulturelles Eintauchen bereichern.)

