Entlang der Adriaküste und in den Hügeln des kroatischen Hinterlandes hat ein bestimmtes Fladenbrot einen festen Platz auf dem Familientisch, beim Grillen im Sommer und an den Ćevapčići-Ständen am Straßenrand. Lepinje – weiche, leicht aufgegangene Fladen mit zartem, luftigem Inneren – sind die unprätentiösen Alleskönner der Balkan-Brotbäckerei. Während knusprige Brote Aufmerksamkeit erregen und Blätterteiggebäcke Geschick erfordern, braucht man für Lepinje kaum mehr als Mehl, Wasser, Hefe und einen heißen Ofen. Das Ergebnis ist ein ebenso einfaches wie überaus befriedigendes Brot: fest genug, um Füllungen zu halten, weich genug, um es mit bloßen Händen zu zerreißen, und so unkompliziert, dass auch Backanfänger schon beim ersten Versuch ansehnliche Ergebnisse erzielen.
Das Wort „Lepinja“ stammt vom südslawischen Begriff für „Brot“ in seiner ursprünglichsten Form ab, und Varianten davon finden sich auf dem gesamten Balkan unter verschiedenen Namen und mit leichten Abwandlungen. In Kroatien sind Lepinje untrennbar mit Ćevapi verbunden – den kleinen gegrillten Fleischwürstchen, die in der gesamten Region serviert werden. Straßenhändler füllen mehrere Ćevapi zusammen mit rohen Zwiebeln und Ajvar (einem gerösteten Paprika-Relish) in eine aufgeschnittene Lepinja und kreieren so ein perfekt proportioniertes Balkan-Sandwich. Hobbyköche backen Lepinje in größeren Mengen für Wochenendfeste und wickeln die warmen Brötchen in saubere Küchentücher, um sie weich zu halten. Das Brot ist bei Picknicks, Strandausflügen und Familienfeiern, bei denen gegrilltes Fleisch im Mittelpunkt steht, allgegenwärtig.
Was Lepinje von anderen Fladenbroten unterscheidet, ist die Tasche, die sich beim Backen im Inneren bildet. Anders als Pita, das extrem hohe Ofentemperaturen und dünnes Ausrollen benötigt, um stark aufzugehen, entwickelt Lepinje durch einen schonenderen Prozess eine kleinere, aber dennoch nützliche Mulde. Der Teig geht zweimal auf – einmal in der Masse und einmal nach dem Formen – wodurch er genügend Struktur erhält, um den Dampf beim Backen einzuschließen. Ober- und Unterseite trennen sich so weit, dass Platz für die Füllung entsteht, wobei die Tasche jedoch stärker mit der Brotstruktur verbunden bleibt als die hohle Kammer eines echten Pitas. Diese Eigenschaft macht Lepinje ideal für Sandwiches, bei denen die Füllung nicht verrutschen soll.
Das Geschmacksprofil von Lepinje ist eher neutral mit einer dezenten, hefigen Süße, wodurch das Brot kräftige Beilagen ergänzt, anstatt mit ihnen zu konkurrieren. Es hat einen leichten Biss und eine weiche, fast watteartige Krume. Die Kruste bleibt hell und bräunt nur leicht – ein bewusstes Ergebnis, das sie zart hält. Einige regionale Varianten enthalten etwas Joghurt oder Kefir im Teig, was für eine subtile Säure und zusätzliche Saftigkeit sorgt. Andere Varianten bestreichen die geformten Laibe vor dem Backen mit Öl, um eine geschmeidigere Kruste zu erhalten.
Dieses Rezept vereinfacht die Zubereitung in der heimischen Küche und bewahrt dabei die authentische Textur und den Geschmack von kroatischen Lepinje. Der Teig lässt sich in weniger als zehn Minuten von Hand kneten, und die zweistufige Gehzeit passt perfekt in einen Wochenendnachmittag oder die Vorbereitungen fürs Abendessen unter der Woche, wenn sie mit anderen Kochaufgaben kombiniert wird. Da keine spezielle Ausrüstung benötigt wird und kleine Unregelmäßigkeiten in der Form kaum auffallen, sind Lepinje ein idealer Einstieg in die Welt des selbstgebackenen Brotes. Die Brötchen lassen sich gut einfrieren, schnell auftauen und wieder wunderbar aufwärmen – perfekt für vielbeschäftigte Haushalte, um gleich die doppelte Menge zuzubereiten. Ob zu gegrilltem Fleisch, gefüllt mit geröstetem Gemüse oder einfach auseinandergerissen und in Olivenöl getaucht – Lepinje bieten ehrlichen Genuss ohne Schnickschnack.