Gekochtes Rindfleisch steht bei vielen kroatischen Familien, besonders an kalten Tagen, im Mittelpunkt des Speiseplans. Oft wird zuerst ein großer Topf Goveđa Juha, klare Rindfleischsuppe, serviert, gefolgt von zarten Fleischscheiben mit einfachen Beilagen. Im Winter werden dann herzhaftere, deftigere Beilagen verwendet. Sauerkraut, das in Kroatien und den angrenzenden Regionen bereits in unzähligen Gerichten Verwendung findet, passt hervorragend dazu.
Dieser Teller mit gekochtem Rindfleisch und Sauerkraut spiegelt diesen Rhythmus wider. Die Zubereitung beginnt mit dem sanften Köcheln des Rindfleischs in einer leicht aromatischen Brühe. Zwiebeln, Wurzelgemüse, Pfefferkörner, Lorbeerblatt und ein kleines Stück Sellerieknolle erinnern an die Geschmacksgrundlage, die man von kroatischen Rindfleischsuppen kennt. Durch das lange, schonende Garen wird das Bindegewebe weich, sodass aus einem relativ zähen Stück Fleisch Scheiben entstehen, die ihre Form behalten und sich dennoch leicht schneiden lassen. Die Brühe wird klar, goldgelb und hocharomatisch, mit genügend Substanz durch das gelöste Kollagen, um einen Löffel leicht zu überziehen.
Sauerkraut ist die andere Hälfte des Ganzen. In Kroatien, Slowenien und dem restlichen ehemaligen Jugoslawien findet man gekochtes Sauerkraut in Eintöpfen, Aufläufen mit geräuchertem Fleisch und herzhaften Wintergemüsegerichten. In dieser Variante wird das Sauerkraut in einem Teil der Rinderbrühe zusammen mit Zwiebeln, Knoblauch, Kümmel und gerade so viel Fett geköchelt, dass die Säure ausgeglichen wird. Das Ergebnis ist würzig, aber nicht scharf, mit zarten Kohlblättern und einer feinen Kräuternote von Lorbeer und Kümmel.
Das Besondere an diesem Rezept ist die Art und Weise, wie die beiden Komponenten auf einer gemeinsamen Basis zusammenwirken. Das Rindfleisch gart in einfachem, leicht gewürztem Wasser, das zu einer klaren Brühe wird. Ein Teil dieser Brühe dient dann als Kochflüssigkeit für das Sauerkraut und verbindet so die Aromen ohne schwere Soße oder Sahne. Das Rindfleisch bleibt zart und mild, während der Kohl kräftigere Säure- und Gewürznoten beisteuert. Beides wird mit Salzkartoffeln serviert, die den Saft von Rindfleisch und Kohl gleichermaßen aufsaugen.
Diese Methode entspricht einem in vielen kroatischen Haushalten verbreiteten Muster. In einem Topf werden Rindfleisch und Brühe gekocht. In einem anderen Topf oder einer breiten Pfanne köchelt der Kohl lange und ruhig auf dem Herd. Die Mengen lassen sich für einen größeren Haushalt anpassen, und übrig gebliebenes Fleisch oder Sauerkraut kann problemlos für Sandwiches, Eintöpfe oder Suppen am nächsten Tag verwendet werden.
Aus technischer Sicht belohnt dieses Rezept Geduld statt ständiger Aufmerksamkeit. Die wichtigsten Schritte liegen darin, die Kochflüssigkeit sorgfältig zu würzen, die Brühe während der ersten halben Stunde des Köchelns abzuschöpfen, um sie klarer zu machen, und den Garzustand anhand der Konsistenz und nicht nur der Garzeit zu beurteilen. Das Sauerkraut profitiert von kurzem Abspülen, damit sein Aroma erhalten bleibt, ohne den Geschmack des Rindfleischs zu überdecken.
Diese Variante bewahrt die traditionellen Aromen und besticht gleichzeitig durch moderne Klarheit. Die Wahl des Rindfleischstücks ist flexibel: Schulter, Brust oder Haxe eignen sich gleichermaßen, solange ausreichend Marmorierung und Bindegewebe für Zartheit nach dem Garen bei niedriger, gleichmäßiger Hitze vorhanden sind. Das Sauerkraut folgt regionalen Gepflogenheiten, ist aber etwas leichter als manche gebackene oder stark geräucherte Varianten. Dadurch eignet sich das Gericht nicht nur für Festessen, sondern auch für ein gewöhnliches Winterwochenende.
Für Köche, die Rezepte lieben, die mit Region und Jahreszeit verbunden sind, bietet gekochtes Rindfleisch mit Sauerkraut eine bodenständige, unkomplizierte Wohlfühlküche. Es erinnert an die Tradition der Sonntagssuppe, an den Brauch, den Keller für die kalten Monate mit Sauerkraut zu füllen, und an die Zufriedenheit mit einem Teller, der zwar schlicht aussieht, aber geschmacklich vielschichtig ist.