Im Sommer ist Hallstatt am lebendigsten – und überfülltesten. Von Juni bis August ist das Klima mild bis warm (durchschnittliche Höchsttemperaturen ca. 22–24 °C), mit Nachmittagsschauern, die in Sonnenschein übergehen. Bergwanderwege sind geöffnet, Wildblumen bedecken die Wiesen, und das lange Tageslicht lädt Besucher ein, bis spät am See zu verweilen. In endlosen Scharen strömen Touristen das Tal hinauf, angezogen von Hallstatts Ruf und den Fährverbindungen (der Ort hat immer noch keine Straßenmaut). An Hochsommertagen strömen bis zu 10.000 Besucher durch das Dorf – eine erstaunliche Zahl angesichts der nur 800 Einwohner. Reisebusse stehen Schlange am Tunneleingang; Kreuzfahrtschiffe spucken Selfie-Stick-schwingende Menschenmassen aus.
Die Einheimischen sehen die Flut mit gemischten Gefühlen. Viele arbeiten heute im Tourismus – sie betreiben Hotels, führen Bergwerksführungen durch, verkaufen Souvenirs – und sind auf ihr Sommereinkommen angewiesen. Die Kehrseite ist jedoch die Überlastung. Rentner erinnern sich an die Jahre, als man sich frei bewegen konnte; heute kreisen sie frustriert mit ihren Spazierstöcken. 2023 protestierten Anwohner sogar, indem sie die Tunnelstraße blockierten und Schilder mit der Aufschrift „Tourismus ja, Massentourismus nein“ hochhielten. Hallstatt ist zu einem Paradebeispiel für Overtourism geworden. Cafés, die früher um 18 Uhr öffneten, schließen heute bis Mitternacht, und die Einheimischen scherzen, die Hauptverkehrszeit sei „Hallstattzeit“ zwischen 11 und 13 Uhr. Dennoch ist das Sommerspektakel an sich schon beeindruckend.
Unter all dem Trubel steht die natürliche Pracht von Hallstatt im Mittelpunkt. Bootfahren ist König: Pontons und Ruderboote sind über den tiefen, fjordähnlichen See verstreut, wo Taucher und Schnorchler untergetauchte Kiefern aus dem 12. Jahrhundert und sogar einen Unterwasserkirchenaltar erkunden. (Der Hallstätter See ist aufgrund seiner Klarheit und archäologischen Ablagerungen ein erstklassiges Tauchgebiet.) Wanderer können einen Teil des Ufers auf gut markierten Uferwegen umrunden. Weiter oben bringen Seilbahnen Tagesausflügler zu Panoramaplattformen. Der neu eröffnete Skywalk „Welterbeblick“ – eine freitragende Plattform 350 m über dem Dorf – bietet einen 360°-Rundumblick auf die Dachlandschaft, den blauen See und die schroffen Berge dahinter. Vom Skywalk und Krippenstein zweigen Wanderwege ab; ein Highlight ist der Aussichtspunkt Five Fingers auf dem Dachstein: ein schmaler Holzsteg mit fünf nach außen ragenden Plattformen über einer 400 m hohen Klippe. Im Juli betreten Wanderer mittags diese Bohlenbrücke, lassen einen Fuß über der Alpenluft baumeln und staunen darüber, wie der türkisfarbene See unter ihnen aus einer anderen Welt zu stammen scheint.
Auch das kulturelle Leben ist auf dem Höhepunkt. Auf dem Dorfplatz spielen an Wochenendabenden lokale Blaskapellen Walzer. Am 15. August (Mariä Himmelfahrt) feiert Hallstatt unten im Badergrabental sein lebhaftes Nepomukfest: Familien essen Schweinsbraten und tanzen bis spät in die Nacht zu Volksmusik. (Der heilige Nepomuk ist der Schutzpatron der Schiffer, und an diesem Tag werden die Hallstätter Seetraditionen gewürdigt.) Wenn man sich von den Menschenmassen zurückziehen möchte, bieten kleine Kapellen und Almhütten intimere Feste: Lokale Ensembles in Gosau oder Obertraun veranstalten spontane Picknicks mit Steckerlfisch (gegrillten Forellenspießen) und lokalem Bier. Inzwischen treffen sich die Fischer noch immer allabendlich an den Fischständen, um den Tagesfang auszuschlachten, und überraschend viele Restaurants bieten echte Alpenkost: Walter vom Gasthof Simony serviert stolz zarten Salzkammergut-Saibling auf seiner Terrasse mit Seeblick. Wie der Reiseschriftsteller Rick Steves bemerkte, kann man in Hallstatt „zweimal etwas genießen: köstlichen Seefisch mit großartiger Aussicht auf den See“.
Trotz der Menschenmassen ist Hallstatts Stadtbild fotogen. Morgen- und Abenddämmerung sind magisch: Dampfiger Nebel steigt bei Sonnenaufgang vom See auf, und das Dorf erstrahlt im rosigen Licht des Sonnenuntergangs. Auf den Wanderwegen genießt man deutlich mehr Einsamkeit – die Wege entlang von Bächen und Weiden liegen im Schatten smaragdgrüner Blätter und bieten unvergessliche Panoramen. Alpenkühe ziehen manchmal mit bimmelnden Glocken vorbei. An klaren Tagen kann man für einen kühlen Kontrast zu den Dachstein-Eishöhlen klettern oder eine Radtour um den See machen.
Doch der Sommer in Hallstatt fühlt sich immer wie ein gemeinsamer Tanz an. Draußen rollen Kreuzfahrtschiffe langsam, Bootshupen ertönen, Gelächter hallt aus Biergärten, und manchmal untermalt ein Feuerwerk die Spätsommernächte. Selbst inmitten des menschlichen Trubels kann man das Naturschauspiel nicht ignorieren: Hinter jeder Ecke spiegelt sich die Bergwelt im See, vorbeiziehende Wolken und jahrhundertealte Fischerboote aus Holz und Stein. Der moderne Menschenansturm mag überwältigend sein, aber das ist der Preis dafür, diese märchenhafte Landschaft voller Leben zu erleben.
Ah, Sommer auf dem See: Fischerboote dümpeln neben den alten Docks. Touristen gleiten auf Paddelbooten vorbei, und Fischer werfen ihre Netze aus, während sich dahinter die Alpengipfel erheben. Hallstatts Tradition des Fischens und der Bootsfahrten lebt fort. Frühmorgens vermieten einheimische Führer noch immer Prion-Kajaks und elektrische Ruderboote und laden Besucher ein, Hallstatt „aus einer anderen Perspektive zu entdecken – von der Oberfläche des Sees aus“. Gegen Mittag drängen sich diese Boote auf dem Wasser, während Besucher die alpine Aussicht genießen; manche wagen sogar einen Klippensprung oder ein Bad in der kühlen Tiefe.