Die Transformation Marseilles ist geradezu dramatisch. Einst eng verbunden mit dem Heroinhandel der „French Connection“ im 20. Jahrhundert – dem von der korsischen Mafia betriebenen Schmuggelring, der fast 90 % des US-amerikanischen Heroins über den Hafen der Stadt abwickelte –, hat sich Marseille zu einem Zentrum für Kunst und Tourismus entwickelt. Bis 2013 hatte die Stadt eine 660 Millionen Euro teure kulturelle Renaissance ins Leben gerufen, die darauf abzielte, … Jahrzehntelangen negativen Ruf umkehren. The European Capital of Culture program provided the catalyst. As an official report noted, MP2013 “generated considerable media coverage” and began to challenge old perceptions – “for the first time, Marseille [was] seen as a major cultural destination”. Over the year, more than 900 events took place, drawing well over 11 million visits to the region. Tourism spiked accordingly: roughly 2 million additional visitors arrived in 2013, yielding about €500 million in economic benefit. Major international outlets responded, with Die New York Times Marseille wurde 2013 zum zweitbesten Reiseziel weltweit gekürt (nur Rio de Janeiro lag noch vorn). Kurz gesagt: Marseilles mutiger Kurswechsel hin zu Kultur und Infrastruktur hinterließ weit über die Landesgrenzen hinaus Spuren und markierte einen Meilenstein der Stadterneuerung, der von Planern und Reisenden bis heute analysiert wird.
Mitte des 20. Jahrhunderts erhielt Marseille einen düsteren Beinamen: ein Umschlagplatz für HeroinschmuggelDie sogenannte „French Connection“ begann in den 1930er-Jahren, als die korsischen Gangster Paul Carbone und François Spirito erstmals Opiumfelder im Nahen Osten mit amerikanischen Süchtigen verbanden und den geschäftigen Hafen von Marseille als Versteck nutzten. Der Handel florierte: Ende der 1960er-Jahre wurden schätzungsweise 40–44 Tonnen reines Heroin pro Jahr durch die Stadt verschifft und deckten bis zu 80 % des US-Konsums. Marseille erlangte so Mitte des 20. Jahrhunderts einen Ruf als Zentrum des organisierten Verbrechens, den Hollywood 1971 in dem Film „Der Teufel von Paris“ verewigte. Die französische Verbindung (depicting a real drug bust). In local memory and foreign press, Marseille came to represent “crime [and] corruption” – even the 1981 film Hunde Die Veranstaltung begann mit Wochenschauen über die Heroin-Saga von Marseille.
In den 1970er Jahren und darüber hinaus haftete Marseille ein Ruf des Verfalls an. Beobachter beschrieben die Stadt in manchen Kreisen als „herabgestürzt, unsicher und zwielichtig“ – ein Ort, der in den Pariser Medien oft als Frankreichs urbaner Außenseiter galt. Schwerverbrechen und die Folgen des Menschenhandelsrings „French Connection“ zementierten dieses Stigma bis ins 21. Jahrhundert. Jahrelang kämpften die lokalen Behörden mit diesem Image, während sie gleichzeitig die Weichen stellten (Infrastrukturverbesserungen, Bewerbungen für die Olympischen Spiele usw.), um Marseille aus seiner Misere zu befreien.
Trotz dieser Herausforderungen hat Marseilles Vergangenheit tiefe kulturelle Wurzeln hinterlassen. Die Mischung aus Einwanderergemeinschaften (italienisch, armenisch, maghrebinisch usw.) und Arbeitervierteln im Hafengebiet förderte eine lebendige Kunstszene – darunter eine legendäre Hip-Hop-Kultur, deren Zentrum in den nördlichen Bezirken lag. Doch Anfang der 2000er-Jahre sahen Außenstehende nur die Schlagzeilen über Kriminalität, nicht die Straßenmalereien und die Musik Marseilles. Die Kulturkampagne von 2013 war in vielerlei Hinsicht eine Antwort auf das zwiespältige Bild der Stadt, ein Versuch, die kreative Seite zum Vorschein zu bringen.
Marseilles kultureller Wandel begann im Jahr 2004, als die Stadtverwaltung sich um den Titel „Europäische Kulturhauptstadt“ bewarb. Ziel war es, das reiche Erbe der Provence zu erschließen und Marseilles Image neu zu gestalten. Durch den Zusammenschluss mit Aix-en-Provence, Arles und fast 100 weiteren Gemeinden präsentierte die Region eine gemeinsame Vision südfranzösischer Kultur. Im September 2008 wählte eine nationale Jury Marseille in die engere Auswahl; wenige Monate später, im März 2009, erklärte die Europäische Union die Stadt offiziell zur Kulturhauptstadt Europas. Marseille wurde (zusammen mit Košice in der Slowakei) zur Europäischen Kulturhauptstadt 2013 ernannt..
Die Vergabe des Titels war sowohl politisch als auch volksnah. Um Konkurrenten wie Lyon und Toulouse auszustechen, war breite öffentliche Unterstützung (in der Provence wurden Volksabstimmungen abgehalten) und das Engagement lokaler Persönlichkeiten erforderlich. So wurde beispielsweise Jacques Pfister – der einflussreiche Präsident der Handelskammer Marseille-Provence – zum Hauptförderer der Kampagne. Schließlich empfahl ein Gremium von Kulturexperten Ende 2008 Marseille, und die EU-Minister bestätigten die Entscheidung im darauffolgenden Frühjahr. Die offizielle Ernennung ebnete den Weg für vier Jahre Planung, Gestaltung und massive Investitionen.
Das Programm „Europäische Kulturhauptstadt“ (ECoC) geht auf das Jahr 1985 zurück, als die griechische Kulturministerin Melina Mercouri die EU davon überzeugte, europäische Städte durch Kulturfestivals hervorzuheben. Athen wurde 1985 zur ersten Kulturhauptstadt; seither haben über 40 Städte das Event ausgerichtet. Die Ziele sind klar: die europäische Einheit durch gemeinsames Kulturerbe stärken und Städte durch kunstorientierte Entwicklung fördern. Frühere Beispiele (z. B. Glasgow 1990, Lille 2004) haben enorme wirtschaftliche Erfolge gezeigt – Schätzungen zufolge erwirtschaftete Lille durch Tourismus und Stadterneuerung bis zu das Sechsfache seiner Investitionen. Obwohl die Rendite variiert, benötigt das Programm stets hohe öffentlich-private Investitionen. So budgetierte Marseille-Provence 2013 rund 100 Millionen Euro für die Durchführung von Veranstaltungen, während weitere über 600 Millionen Euro in neue kulturelle Infrastruktur flossen.
Mehrere Faktoren erklären, warum Marseille 2013 den Titel gewann. Erstens der politische Wille: Die Bewerbung wurde von der französischen Regierung, dem Regionalrat der Provence-Alpes-Côte d’Azur und führenden Wirtschaftsvertretern unterstützt. Zweitens die Inklusivität: Anders als bei Bewerbungen einzelner Städte umfasste Marseilles Vorschlag die gesamte Provence. (Die Nachbarstadt Aix-en-Provence beteiligte sich an der Kampagne und teilte Veranstaltungsorte und Fördermittel.) Drittens der Ehrgeiz: Marseille versprach ein mehrjähriges Programm mit Hunderten von Projekten, weit mehr als nur eine Vorzeigestadt.
In der abschließenden EU-Bewertung lobten die Juroren Marseille-Provence für die gelungene Verbindung von historischem Erbe und moderner Kreativität. Sie hoben hervor, dass Renaissance-Erzählung – die Umwandlung eines rauen Hafens in eine „Hauptstadt der Vielfalt“ – und man war überzeugt, dass die Region sowohl Einheimische als auch Besucher gleichermaßen ansprechen könnte. Kurz gesagt, Marseilles Bewerbung wurde als „Projekt der (Wieder-)Geburt“ präsentiert, das europaweite Themen (Migration, Handel, Mittelmeerbeziehungen) aufgriff und gleichzeitig lokale Bedürfnisse berücksichtigte. Der Bericht des Expertengremiums bestätigte dies: Anfang 2009 war Marseille der Zuschlag erteilt.
Der Titel „Kulturhauptstadt“ setzte enorme Investitionen in Gang. Schätzungen zufolge überstiegen die öffentlichen und privaten Ausgaben für die Infrastruktur von MP2013 600 Millionen Euro. Damit wurden neue Veranstaltungsorte, sanierte historische Stätten und städtebauliche Modernisierungen finanziert. Zu den wichtigsten Projekten zählten die Schaffung von Weltklassemuseen und die Sanierung des historischen Alten Hafens (Vieux-Port) von Marseille. Für Marseille wurden diese baulichen Errungenschaften zu einem bedeutenden Erbe. Symbole seiner Transformation.
The flagship is undoubtedly MuCEM (Musée des Civilisations de l’Europe et de la Méditerranée), inaugurated in June 2013. Perched on the J4 quay beside the medieval Fort Saint-Jean, MuCEM is „das erste nationale Museum, das außerhalb der Region Paris eröffnet wurde“, Eine Hommage an die mediterranen Kulturen. Das robuste Betongitter des Gebäudes wurde von dem Architekten entworfen. Rudy Ricciotti Die beiden Zwillingsbauten (J4 und Fort Saint-Jean) sind, um die Festungsmauern widerzuspiegeln, durch einen Skywalk miteinander verbunden. Im Inneren vereint das MuCEM eine Sammlung von Volkskunst (aus Paris) mit wechselnden Ausstellungen zur Geschichte und Gesellschaft des Mittelmeerraums.
Die Auswirkungen waren unmittelbar. Die Besucherzahlen schnellten in die Höhe – offizielle Zahlen sprechen von rund 1,9 Millionen Die Besucherzahlen in den ersten acht Monaten des MuCEM waren hoch. (Dies war Teil der insgesamt rund 5,5 Millionen Ausstellungsbesuche während der MP2013.) Der Reiz des Museums lag ebenso in seiner eindrucksvollen Architektur wie in seinen Exponaten. Von der Uferpromenade bis zur Panorama-Dachterrasse wurde das MuCEM im Nu zu einem absoluten Muss. Die Eröffnung wurde mit einem Feuerwerk und Lichtshows gefeiert, die die Höfe von Fort Saint-Jean in ein Lichtermeer tauchten. Ein Architekturkritiker formulierte es so: Die Eröffnung des MuCEM markierte den Beginn einer „Renaissance des Betons“ für die Museografie Marseilles.
Keine Renovierung in Marseille war symbolträchtiger als die Neugestaltung des Alter HafenDer alte Hafen der Stadt. Jahrzehntelang war der Kai durch Verkehr und Parkplätze verstopft und vom Meer abgeschnitten. 2013 finanzierte das Investitionsprogramm eine vollständige ReorganisationAlle Autos wurden unterirdisch umgeleitet, und die Barrieren, die das Wasser blockierten, wurden entfernt. Das Ergebnis war ein weitläufiger Fußgängerplatz entlang der Docks.
Architekt Sir Norman Foster den krönenden Abschluss bildete: die SchattenkonstruktionÜber dem nördlichen Hafenbecken spannt sich ein reflektierendes Stahldach, das aufgrund seiner verspiegelten Oberfläche die Skyline des Hafens prägt. Nachts erstrahlt es im goldenen Licht der untergehenden Sonne und der Stadtlichter. Durch die Sanierung hat sich die Freifläche rund um den alten Fischmarkt und die historischen Kais verdoppelt und ist nun zu einer der größten Fußgängerzonen Europas geworden. Einheimische können jetzt ungehindert vom Meer zum Rathaus (Hôtel de Ville) spazieren – vor zehn Jahren noch undenkbar.
Auch an Marseilles Küste entstanden weitere architektonische Meisterwerke. Unmittelbar östlich des MuCEM befindet sich das Villa Méditerranée Das von Stefano Boeri entworfene Besucherzentrum in Form eines umgekehrten L schwebt über dem Wasser. Sein Betonüberhang bildet einen eindrucksvollen Rahmen für das Meer. In der Nähe befindet sich das Regionalfonds für zeitgenössische Kunst (FRAC) von Kengo Kuma schuf einen modernistischen Schwarz-Weiß-Galerieraum an den Docks von Joliette. Auch ältere Gebäude wurden umgestaltet: die ehemalige Tabakfabrik Belle de Mai Ödland Im Norden der Stadt wurde das Areal um einen neuen Panoramaturm (den Tour-Panorama) erweitert, der zusätzliche Ateliers und Ausstellungsräume beherbergt.
Ein weiteres bemerkenswertes Projekt war Pavillon M, ein temporärer Pavillon aus Stahl und Glas im Stadtzentrum. Errichtet am Place Bargemon, diente er als Informationszentrum und Veranstaltungsort für MP2013 und beherbergte Büros und Veranstaltungsräume. (Pavillon M kostete rund 5 Millionen Euro, obwohl er nicht im ursprünglichen Budget vorgesehen war, trug aber dazu bei, Programmgestaltung und Öffentlichkeitsarbeit im Stadtzentrum zu zentralisieren.)
Diesen Bauprojekten lagen Daten zugrunde. Der offizielle Bericht „Kennzahlen“ ergab über 900 kulturelle Veranstaltungen, ein operatives Budget von 100 Millionen Euro (öffentlich + privat) und mehr als 600 Millionen Euro für Neubau/RenovierungDie Handelskammer bestätigte später die weitreichende Wirkung des Festivals: etwa 11 Millionen Besuche insgesamt Die Investitionen in Veranstaltungen und Institutionen führten zu zusätzlichen Ausgaben von rund 500 Millionen Euro in der Region. Anders ausgedrückt: Jeder in die Infrastruktur investierte Euro brachte ein Vielfaches an wirtschaftlicher Aktivität zurück.
Die Gesamtinvestition von über 600 Millionen Euro umfasste Dutzende von Projekten. Die öffentlichen Berichte gliedern sie grob wie folgt auf: 100 Mio. € Betriebsmittel (für die Programmierung) und 500 Mio. € Kapitalmaßnahmen (Neue oder renovierte Einrichtungen). Zum Beispiel: Das MuCEM selbst kostete rund 120 Millionen Euro; die Sanierung von Fort Saint-Jean und der Bau der Fußgängerbrücke einen ähnlichen Betrag; die Villa Méditerranée mehrere zehn Millionen Euro; die Arbeiten am Alten Hafen und die Promenaden mindestens weitere 50 Millionen Euro. Auch private Beiträge waren beträchtlich: So wurde beispielsweise die Gedenkstätte Camp des Milles (eine restaurierte Stätte aus dem Zweiten Weltkrieg) größtenteils durch Spenden und Zuwendungen der Ministerien und nicht durch Mittel aus dem MP2013-Programm finanziert. (Dieser Komplex aus Ausstellungshallen und Gärten erinnert heute an die während des Krieges dort Internierten.)
Eine aufschlussreiche Statistik: Laut einer Schätzung generierte der Aufwand … 500 Mio. € wirtschaftlicher Nutzen (Tourismus und Arbeitsplätze) und über 2.800 Vollzeitstellen Im Jahr 2013. Diese Zahlen stammen von der regionalen Handelskammer und umfassen Unterkunft, Transport, Gastronomie und alle Ausgaben der Besucher. Kurz gesagt: Marseille investierte viel und erzielte laut Wirtschaftsexperten hervorragende Ergebnisse.
Nachdem die Infrastruktur die Bühne bereitet hatte, erblühte das Jahr 2013 selbst zu einem wahren Kulturspektakel. Die Stadt läutete ihre neue Ära mit einem zweitägigen Eröffnungsfestival Mitte Januar ein. Die Feierlichkeiten (12.–13. Januar) fanden zeitgleich in Marseille, Aix-en-Provence und Arles statt und boten Kunstinstallationen und Aufführungen in der gesamten Region. Im Zentrum von Marseille wurde der Autoverkehr angehalten und die Straßen in Veranstaltungszonen verwandelt. Ein Höhepunkt war „Place des Anges“Hunderttausende Federn wurden von Kränen auf die Menschenmenge herabgelassen und schufen so eine surreale Schneelandschaft über dem Hafen. Premierminister Jean-Marc Ayrault, EU-Kulturkommissarin Androulla Vassiliou und sogar José Manuel Barroso (Präsident der Europäischen Kommission) nahmen an der Auftaktveranstaltung in Marseille teil, was deren europäische Bedeutung unterstrich. Die Organisatoren schätzten, dass die Veranstaltung … 600.000 Menschen Allein in Marseille nahmen zahlreiche Menschen an den Feierlichkeiten des Wochenendes teil, die sich über mehrere Veranstaltungen und Orte erstreckten.
Der Zwischen Flammen und Wellen Im Februar folgte die Ausstellung „Zwischen Flammen und Wellen“. Am ersten Wochenende des wiederbelebten Hafens säumte der Künstler Carabosse die Kais mit Tausenden von brennenden Fackeln, die auf dem Wasser tanzten – eine visuelle Metapher, die Marseilles maritimes Erbe mit dem Element Feuer verband. Die offizielle Besucherzahl wurde auf etwa 1000 geschätzt. 400.000 Besucher in jener Nacht.
Eines der meistdiskutierten Ereignisse des Jahres 2013 war Transhumanz, inszeniert im späten Frühling. Diese ländliche Tradition (das Umtreiben von Schafen zwischen Weiden) wurde auf dramatische Weise in die Stadt gebracht. Über drei Tage im Mai/Juni, mehr als 3.000 Schafe Sie wurden über die Straßen der Provence und durch die Straßen Marseilles getrieben und erreichten schließlich freudig den Vieux-Port. Dorfbewohner in Hirtenkleidung begleiteten die Herde, die unter den Hochstraßen hindurch und durch einst vernachlässigte Viertel zog. Schätzungen zufolge mehr als 300.000 Menschen Entlang der Strecke verfolgten wir TransHumance – ein Beweis dafür, wie selbst ein rustikales Ritual die Fantasie der Stadtbevölkerung beflügeln kann. Fotos von der Veranstaltung (Schafe, die an Notre-Dame de la Garde grasten oder die Avenue du Prado überquerten) wurden zu ikonischen Bildern der spielerischen Seite von MP2013.
Zu den weiteren herausragenden Programmen gehörten ein Industrienacht in Martigues (Kunst- und Lichtinstallationen in Fabriken) und ein neuer Fernwanderweg namens GR2013 – ein 365 km langer Fernwanderweg (Grande Randonnée) rund um die Stadt und die Region. Der „GR2013“-Wanderweg kartierte buchstäblich die vielfältige Landschaft Marseilles, von den Küstenklippen bis zu den Hügeln der Vororte, und verdeutlichte damit die Bandbreite des Projekts.
Marseille-Provence 2013 lockte auch einige der größten Kunstausstellungen des Jahrzehnts in Europa an. Grand Atelier du Midi Die im Musée Beaux-Arts in Marseille und im Musée Granet in Aix-en-Provence inszenierte Ausstellung präsentierte Klassiker von Cézanne, Van Gogh, Bonnard und provenzalischen Meistern und bildete den Rahmen für eine Erzählung über die Kunst Südfrankreichs. Allein diese Blockbuster-Ausstellung lockte zahlreiche Besucher an. ~460.000 BesucherEine parallele Retrospektive im J1-Hangar untersuchte Le Corbusiers Werk in Marseille (und Frankreich) – eine passende Würdigung, da Corbusier städtebauliche Lösungen für Marseille erforscht hatte (und in der Nähe in Roquebrune begraben liegt).
In der Zwischenzeit Camp des Milles Ein Internierungslager nahe Aix-en-Provence wurde als weitläufige Gedenkstätte und Museum wiedereröffnet. Die Renovierung zählt zu den bewegendsten Vermächtnissen des Kulturjahres 2013: Auf dem ehemaligen Stacheldrahtgelände finden nun Ausstellungen zum Thema Kreativität unter Unterdrückung statt, die im zeitgenössischen Diskurs eine starke Resonanz finden (zu den dort internierten Künstlern gehörten unter anderem Vercors und Max Ernst). Die Wiedereröffnung des Lagers lockte Tausende Besucher an und verlieh dem Kulturjahr eine feierliche, historische Dimension.
Die Rohdaten unterstreichen das Ausmaß von MP2013: Offizielle Berichte beziffern die Gesamtteilnehmerzahl auf ~11 Millionen Besuche Über alle Veranstaltungen und Veranstaltungsorte hinweg. Im Einzelnen nahmen rund 1,8 Millionen Menschen an den wichtigsten Veranstaltungen teil (Eröffnungswochenende, Entre Flammes et Flots, Transhumanz). Die Messehallen verzeichneten etwa 5,5 Millionen Besuche (darunter 1,9 Millionen im MuCEM und 460.000 im Grand Atelier). Dieser Anstieg stand im Gegensatz zu den Vorjahren, in denen Marseille selten mehr als eine Million Besucher erreichte.
Auch die Medienberichterstattung nahm stark zu: Ein EU-Bericht stellt fest, dass MP2013 „ein hohes Maß an Aufmerksamkeit in der Bevölkerung erzeugte“ und das Image von Marseille deutlich verbesserte. International stieg das Ansehen der Stadt rasant an – 2013 wurde sie von Condé Nast unter die globalen „Hotspots“ gewählt und sogar Tapete Das Magazin erklärte Marseille zu einer der Städte der Welt Die besten Städte 2014Entscheidend für die lokale Wirtschaft war, dass die Handelskammer dokumentierte, dass das Kulturjahr „rund 500 Millionen Euro an wirtschaftlichen Vorteilen generierte“ und etwa 2.800 Vollzeitstellen im Tourismus schuf. Mit anderen Worten: Marseille veranstaltete nicht nur ein unterhaltsames Festival, sondern stieß eine umfassende städtische Aufschwungphase mit messbaren Ergebnissen an.
Keine große Veränderung verläuft ohne Spannungen. Im Verlauf der MP2013 erinnerten einige hartnäckige Wahrheiten die Beobachter daran, dass nicht alle die Feierlaune teilten.
Die Opposition fand in Keny Arkanas Protestsong eine Stimme. „Hauptstadt des Bruchs“ (Hauptstadt des Bruchs). Darin schildert sie MP2013 als ein Regierungsprojekt, das Arbeiterviertel „entvölkert“ und die Menschen, deren Viertel es angeblich feiern soll, an den Rand drängt. Die Initiative „Quartiers Créatifs“ (Kreative Viertel), die Kunst in benachteiligte Bezirke bringen sollte, schürte tatsächlich Ängste. Langjährige Bewohner und Aktivisten warfen dem Projekt vor, nur ein Vorwand für Gentrifizierung zu sein. Nach Kunstaktionen gab es Berichte über Räumungsbescheide und steigende Mieten in einigen nördlichen Stadtteilen. Eine soziologische Studie ergab sogar, dass viele arme Viertel weitgehend von MP2013 unbeteiligt blieben, als ob das Kulturjahr etwas wäre, das einfach so passierte. to sie, nicht mit ihnen.
Diese Kritikpunkte prägten die öffentliche Debatte. Einige lokale Vereine organisierten alternative „Off“-Veranstaltungen, um Künstler aus der Basisbewegung ins Rampenlicht zu rücken und so sicherzustellen, dass Marseilles lebendige Graffiti-, Rap- und Immigrantenszene eine Plattform erhielt. (Tatsächlich fand in diesem Jahr das erste „MP2013 OFF“-Festival statt, ein von Anwohnern initiiertes Programm, das parallel zum offiziellen Programm lief.) Die Spannungen verdeutlichten ein unausweichliches Problem: Die Umgestaltung der Stadt lief Gefahr, genau jene Kultur zu übersehen, die Marseille so einzigartig machte.
Rapmusik war wohl die deutlichste kulturelle Kluft. Marseille gilt weithin als Frankreichs Hip-Hop-Hauptstadt, Heimat von IAM, der Fonky Family und Dutzenden einflussreicher Künstler. Dennoch waren kaum lokale Rapper im offiziellen Lineup des MP2013 vertreten. Akhenatons öffentliche Kritik folgte, nachdem er amerikanische Acts (Mos Def, Wu-Tang Clan) als Headliner eines lokalen Festivals gesehen hatte, ohne dass ein einziger bekannter MC aus Marseille eingeladen worden war.
Auch EU-Kritiker bemerkten dies: 2012 stellte das für die Kulturhauptstädte zuständige Komitee auf europäischer Ebene fest, dass Marseilles Programm zu sehr auf „Hochkultur“ ausgerichtet war und die populären Ausdrucksformen vernachlässigte. Für viele Marseiller wirkte das neue Image der Stadt angesichts internationaler Stars auf subventionierten Bühnen (und des vernachlässigten einheimischen Hip-Hop) eher auf Außenstehende als auf Einheimische zugeschnitten. Die Ironie blieb nicht unbemerkt: Nachdem Marseille das Image der „Drogenhochburg“ lautstark abgelegt hatte, schien es nun bereit, ein weiteres authentisches Merkmal zu unterdrücken – das seiner Straßenmusik. Diese Kontroverse hielt auch nach der Eröffnung der Ausstellungen an und erinnerte die Planer daran, dass Kultur nicht nur Architektur und Orchester umfasst, sondern auch die Musik an den Straßenecken.
Anfang 2013 deckte eine lokale Bürgerinitiative einen Brennpunkt auf: Die Stadt hatte … 400.000 € an öffentlichen Subventionen hin zu einem gewinnbringenden David-Guetta-Konzert im Parc Borély. Für eine Regierung, die bereits Millionen für Kultur ausgibt, wirkte die Förderung eines der größten Pop-DJs Frankreichs auf viele völlig unpassend. Kritiker – von lokalen Musikveranstaltern bis hin zu studentischen Aktivisten – nutzten den Vorfall als Beweis dafür, dass die Prioritäten der MP2013 falsch gesetzt waren. Das Nachrichtenportal Marsactu berichtete, die Subvention sei „ein Beweis dafür, dass die MP2013 etablierte internationale Künstler fördert, anstatt in die lokale Kultur zu investieren“.
Der öffentliche Aufschrei war groß. Unter Druck wurden die Konzertgenehmigungen widerrufen und die Subventionen gestrichen – Guetta spielte schließlich kurzfristig ein kostenloses, nicht subventioniertes Konzert. Diese Episode wurde zum Weckruf für all jene, die das Gefühl hatten, das kulturelle Kapital werde für glamouröse Events verschwendet, anstatt in Marseilles eigener Kreativität zu wurzeln. Letztendlich kostete es die Stadt finanziell wenig (es war nur Geld auf dem Papier), doch das Vertrauen wurde schwer beschädigt. Der „Guettagate“-Skandal wurde zum Synonym für die Debatte darüber, ob MP2013 dem Tourismus-Hype oder den Bedürfnissen der Bevölkerung diente.
Was bleibt ein Jahrzehnt später? Das Urteil über Marseilles kulturellen Wandel fällt im Großen und Ganzen positiv aus – allerdings mit Einschränkungen.
Marseilles Image wandelte sich nachweislich erheblich. Schon bald nach dem Hauptstadtjahr feierten internationale Publikationen Marseilles Renaissance. Anfang 2013 Die New York Times Marseille wurde zum zweitbesten Reiseziel des Jahres gekürt (nur Rio de Janeiro lag noch vor Marseille). Tapete Ein Magazin kürte Marseille zu einer der „Besten Städte 2014“ und lobte das pulsierende Straßenleben und die neu gestaltete Fußgängerzone am Wasser. In Großbritannien verlieh die Academy of Urbanism Marseille den Titel „Europäische Stadt des Jahres 2014“ für ihre städtebaulichen Innovationen und bürgerschaftlichen Projekte. Selbst der Begriff „Marseille-Bashing“ geriet aus der Mode, da Journalisten Kriminalstatistiken durch Reisetipps ersetzten.
Diese Auszeichnungen spiegeln eine neue Erzählung wider: Marseille ist nicht länger Europas unterschätzte Hafenstadt, sondern ein vorbildliches Beispiel für gelungene Stadterneuerung. Für viele Fernreisende und Stadtplaner wurde sie zu einem... Fallstudie bei der Nutzung von Kultur als Entwicklungsinstrument. EU-Gutachter stellten fest, dass Marseille erfolgreich „das internationale Profil der Stadt geschärft“ und gleichzeitig den Bürgerstolz wiederbelebt habe. Tatsächlich titelte eine Lokalzeitung im Jahr 2013: „Vom europäischen Gesindel zur Kulturhauptstadt – Das Wunder von Marseille?“
Viele bauliche Veränderungen bestehen fort. Das MuCEM ist weiterhin geöffnet und erfreut sich großer Beliebtheit: Auch 2025 locken der Innenhof und die Ausstellungen Besucher an, und Café und Buchhandlung sind gut besucht. Die Brücke von Fort Saint-Jean zum MuCEM hat sich zu einem beliebten Ort für Spaziergänge und Fotos entwickelt (oft auf Stadtansichten zu sehen). Der Vieux-Port ist nach wie vor größtenteils Fußgängerzone: Motorboote legen hinter einer neuen elektrischen Fähre an, und Norman Fosters Ombrière steht unverändert über dem Wasser. (Die einzigen Kontroversen drehen sich jetzt um die optimale Nutzung des Freiraums, nicht um den Zugang dazu.)
Auf Straßenebene hat das Projekt „Roter Teppich“ – mit neuen Radwegen, Fußgängerzonen und Straßenbahnlinien – die Mobilität der Einwohner grundlegend verändert. Die Straßenbahn verläuft nun entlang der alten Kais und bringt Pendler aus den Vororten in den Hafen, der früher nur von Frachtschiffen angefahren wurde. Viele der Kunstinstallationen aus der Zeit von MP2013 (Flammenskulpturen etc.) wurden nach dem Jahr abgebaut, doch einige Kunstwerke im öffentlichen Raum – Mosaike, Wandmalereien, Lichtskulpturen – sind bis heute Teil des modernen Stadtbildes von Marseille.
Die bis 2013 errichteten oder ausgebauten Kultureinrichtungen sind nach wie vor große Besuchermagneten. Neben dem MuCEM finden in der Villa Méditerranée gelegentlich Konferenzen statt, und La Friche Belle de Mai dient ganzjährig als Künstlerkomplex (der erweiterte Tour-Panorama-Turm beherbergt heute ein Café und Ausstellungsräume). Das Darius-Milhaud-Konservatorium (Eröffnung 2013) hat junge Musiker aus dem Mittelmeerraum gefördert. Kurz gesagt, die Stadt ist ein bedeutendes Kulturzentrum. Der kulturelle Motor ist nicht zum Stillstand gekommen.Es hat neue Zylinder.
Einige geplante Vorteile erwiesen sich jedoch als vorübergehend. Die „Off“-Festivals sind größtenteils verschwunden; lokale Künstler beklagen, dass die Hauptförderung weiterhin an nationale Projekte und nicht an die lokale Kultur gebunden ist. Auch einige renovierte Orte hatten Schwierigkeiten: Insbesondere der J1-Hangar (mit seiner Le-Corbusier-Expo) wurde danach nur sporadisch genutzt, und die langfristige Programmplanung ist noch immer unklar. Die entscheidende Frage lautet: Konnte Marseille den „Nach-Expo-Niedergang“, den einige frühere Welthauptstädte erlitten haben, vermeiden? Stadtplaner bejahen dies im Großen und Ganzen – die wichtige Infrastruktur (Hafen, Museen, Plätze) wird weiterhin genutzt, und viele kleinere Projekte haben zu einem florierenden Gemeinschaftsleben beigetragen.
Sicherheitsbedenken bestehen weiterhin, doch die Daten zeichnen ein differenziertes Bild. Marseille weist aber immer noch höhere Raten an Gewaltverbrechen auf. Marseille weist eine höhere Kriminalitätsrate auf als viele andere europäische Städte. Im Jahr 2023 wurden in Marseille 48 Mordopfer registriert, die meisten davon im Zusammenhang mit Bandenkriegen in bestimmten Vororten. Laut einer Statistik (Numbeo) zählt die Stadt zu den kriminalitätsstärksten Europas – Analysten weisen jedoch darauf hin, dass solche Zahlen oft eher die öffentliche Wahrnehmung als reine Daten widerspiegeln.
Offizielle französische Polizeistatistiken legen nahe, dass Paris, Lille, Lyon und andere Großstädte, gerechnet pro Kopf, tatsächlich … melden. mehr Häufigere Straftaten (Einbruch, Gewalt usw.) als in Marseille. Eine lokale Studie stellte sogar fest, dass das Gefühl, „belagert“ zu sein, teilweise ein soziales Phänomen ist: 85 % der Marseiller geben an, dass sie fühlen zeitweise unsicher (im Vergleich zu weit weniger in Paris), möglicherweise weil Gewalttaten so intensiv in den Medien thematisiert werden, wenn sie auftreten.
Für Besucher herrscht folgender Konsens: Normale Vorsichtsmaßnahmen genügen.Die Touristenviertel – Vieux-Port, Panier, Prado und die gehobenen Hotelviertel – sind im Allgemeinen sicher und werden stark von der Polizei überwacht. Taschendiebstähle und Kleinkriminalität gibt es (wie in jeder Großstadt), aber Gewaltverbrechen betreffen selten normale Sightseeing-Touren. Manche raten zu Vorsicht in der Nähe des Bahnhofs und in bestimmten Arbeitervierteln (Noailles, Belsunce) nachts, aber selbst dort wird die „Gefahr“ übertrieben dargestellt. Wie ein lokaler Blog es formuliert: „Entgegen der landläufigen Meinung ist ein Spaziergang durch Marseille nicht riskanter als durch Paris, Barcelona, Rom oder andere europäische Metropolen.“
Praktisch bedeutet das: Besucher sollten protzige Zurschaustellung von Reichtum vermeiden, sich vor Taschendieben in Menschenmengen in Acht nehmen und das Hotelpersonal nach Gegenden fragen, die man meiden sollte. Es ist außerdem ratsam, nach Einbruch der Dunkelheit in der Metro wachsam zu sein (es kam in der Vergangenheit zu einigen nächtlichen Straftaten in Zügen). Dennoch betonen viele Reisejournalisten, dass Marseille ein sicherer Ort ist. lebhaft Marseille ist keineswegs gesetzlos – das Nachtleben hat lange geöffnet, Cafés am Hafen sind durchgehend geöffnet und Familien tummeln sich zu jeder Tages- und Nachtzeit im Hafen. Saisonale Unterschiede sind zu beachten: Im Sommer strömen Kreuzfahrttouristen in Scharen herbei und füllen die Straßen, während es im Winter ruhiger ist (und selbst für mediterrane Verhältnisse kalt). Wettertechnisch ist Marseille im Freien im Allgemeinen sicher, allerdings kann der Mistral (wenn er weht) Segeltörns erheblich erschweren und wasserdichte Jacken erforderlich machen.
Die Geschichte von Marseille birgt Lehren für jede Stadt, die mit einem angeschlagenen Image zu kämpfen hat. Erstens Kultur kann ein Wirtschaftsmotor sein Bei strategischer Anwendung kann die Rendite von rund 6:1 (oder höher) in Marseille ähnliche Ergebnisse wie in Lille erzielen. Dies zeigt, dass die Umwandlung leerstehender Kais und baufälliger Gebäude in kreative Räume Tourismus und private Investitionen fördert. Voraussetzung dafür ist jedoch ein Konsens zwischen Regierung, Wirtschaft und Anwohnern – Marseilles Projekt war erfolgreich, weil die regionalen Verantwortlichen geschlossen dahinterstanden. Stadtplaner anderswo betonen, dass niemand allein gewinnen kann; Marseilles Einigkeit mit den Nachbarstädten war entscheidend.
Zweite, nachhaltige Programmgestaltung ist wichtigEin häufiger Fehler ist es, ein großes Festival auszurichten und die Gelände anschließend verfallen zu lassen. Marseille hat dies vermieden, indem sichergestellt wurde, dass Museen und Parks ganzjährig genutzt werden. Die Fortführung des Kulturprogramms (mit jährlichen oder wechselnden Ausstellungen) hat die Dynamik aufrechterhalten. Städte sollten ähnliche einmalige Investitionen mit permanenten Institutionen verbinden (wie Marseille es mit dem MuCEM getan hat).
Dritte, Ambitionen mit lokalen Wurzeln in Einklang bringenDie Kontroversen in Marseille verdeutlichen, dass auch aufwendige Kulturprojekte die breite Bevölkerung erreichen müssen. Die Einbindung von Künstlern aus der Gemeinde, Jugendlichen aus der Stadt und Minderheiten in die Planung ist unerlässlich – sie sichert ein nachhaltiges soziales Erbe, nicht nur architektonisch. Nach 2013 setzte Marseille verstärkt auf Programme, die von Nachbarschaftsvereinen geleitet wurden, um bestehende Gräben zu überbrücken. Für andere Städte bedeutet dies, glanzvolle Zeremonien mit Straßenfesten und Bürgerworkshops in der Planungsphase zu verbinden.
Marseilles Reise von einem Französische Verbindung Marseilles Aufstieg zur gefeierten europäischen Kulturhauptstadt ist eine Geschichte bewusster Neuerfindung. Sie zeigt, wie eine einst stigmatisierte Stadt ihre Vergangenheit – mit all ihren Stärken und Schwächen – für eine reichere Zukunft nutzen kann. Das Ergebnis ist weder eine perfekte Utopie noch eine vollständige Umgestaltung: Marseille kämpft weiterhin mit Kriminalität und Ungleichheit, und einige kulturelle Spannungen bleiben ungelöst. Doch die Skyline der Stadt, die Uferpromenade und die positiven Bewertungen von Touristen erzählen eine eindrucksvolle Geschichte der Wiedergutmachung.
Im Jahr 2025 wird Marseille zwar viele Narben seiner Geschichte tragen, doch die Stadt steht bereits weit auf dem Weg zu einer neuen Identität. Das große Experiment von 2013 hat bewiesen, dass selbst ein so geplagter Ort wie Marseille sich neu erfinden kann. sich in großem Umfang neu positionieren Durch Kultur, vorausgesetzt, die Investitionen sind mutig und nachhaltig. Beim Spaziergang durch den neu gestalteten Hafen oder beim Erkunden der labyrinthischen Galerien des MuCEM spürt man das Selbstbewusstsein einer Stadt im Wandel. Die Lehren Marseilles prägen die Architektur und die Gespräche, die Einheimische und Besucher gleichermaßen anregen. Letztendlich sieht die Welt Marseille heute nicht mehr als abschreckendes Beispiel für Kriminalität, sondern als Vorbild dafür, wie Städte ihre Zukunft neu gestalten können – mit jedem einzelnen Kulturprojekt.
Sehenswürdigkeiten, die man unbedingt besuchen sollte:
Wanderrouten (selbstgeführte Touren):
Praktische Informationen:
Lokale Gepflogenheiten & Tipps:
F: Was war die „französische Verbindung“ in Marseille? Marseilles „French Connection“ war der Spitzname für ein Heroinschmuggelnetzwerk Mitte des 20. Jahrhunderts. Korsische Banden mit Sitz in Marseille verarbeiteten Opium zu Heroin und verschifften es in die USA, wo sie schließlich bis zu 80 % des amerikanischen Angebots kontrollierten. Der Film von 1971 Die französische Verbindung (basierend auf einer tatsächlichen Razzia) festigte den Ruf der Stadt als Heroin-Zentrum.
F: Warum wurde Marseille 2013 zur europäischen Kulturhauptstadt gewählt? Marseille gewann den Titel 2013 nach einer engagierten Bewerbung, die 2004 gestartet worden war. Ausschlaggebend waren die regionale Einheit (Marseille kooperierte mit Aix-en-Provence, Arles usw.), die starke politische Unterstützung und ein ambitionierter Plan zur Stadterneuerung durch Kultur. Ein Expertengremium der EU lobte den Umfang und die Inklusivität der Bewerbung, was 2009 zur offiziellen Ernennung zusammen mit Košice (Slowakei) führte.
F: Was ist MuCEM und warum ist es von Bedeutung? Das MuCEM (Museum der europäischen und mediterranen Zivilisationen) ist Frankreichs erstes Nationalmuseum außerhalb von Paris. Es wurde am 7. Juni 2013 eröffnet und prägt mit seiner markanten Betongitterkonstruktion (entworfen vom Architekten Rudy Ricciotti) die neue Uferpromenade von Marseille. Das MuCEM beherbergt ethnografische und anthropologische Sammlungen und zählte in den ersten acht Monaten rund 1,9 Millionen Besucher – ein Beweis für seine Attraktivität als Museum und Wahrzeichen zugleich.
F: Wie hat sich der Vieux-Port im Zuge der kulturellen Erneuerung verändert? Der Alte Hafen wurde vollständig zur Fußgängerzone umgestaltet. Der gesamte Durchgangsverkehr wurde umgeleitet, Parkplätze entfernt und die Schranken zum Meerzugang beseitigt, wodurch ein weitläufiger, offener Platz entstand. Norman Fosters reflektierendes Sonnensegel (L’Ombrière) spendet nun einem Teil der Docks Schatten. Durch die Sanierung wurde der Vieux-Port zu einem der größten autofreien öffentlichen Räume Europas und veränderte die Interaktion der Marseiller und Besucher mit dem Hafen grundlegend.
F: Was waren die wichtigsten Ereignisse der Olympischen Spiele 2013 in Marseille? Zu den wichtigsten Höhepunkten zählten die Eröffnungswochenende (12.–13. Januar 2013) mit Aufführungen wie dem Federregen „Ort der Engel“ (an dem etwa 600.000 Menschen teilnahmen) und dem Feuerspektakel Zwischen Flammen und Wellen im neu renovierten Hafen (400.000 Besucher) und dem Transhumanz (Ein Schafumzug mit 3.000 Schafen durch die Stadt, der von rund 300.000 Menschen verfolgt wurde). Außerdem gab es im Jahr 2013 Blockbuster-Kunstausstellungen (z. B. eine Cézanne/Van Gogh-Ausstellung mit 460.000 Besuchern) und Hunderte von Konzerten, Theateraufführungen und Straßenperformances.
F: Welche Kontroversen gab es im Vorfeld der Olympischen Spiele 2013 in Marseille? Mehrere. Einige Einheimische kritisierten die Gentrifizierung von Arbeitervierteln (z. B. das Projekt „Quartiers Créatifs“) als Verdrängung der Bewohner. Marseilles lebendige Hip-Hop-Szene wurde im offiziellen Veranstaltungsprogramm weitgehend vernachlässigt, was Akhenaton von IAM und andere zu der Aussage veranlasste, dies sei ein „schwerer Fehler“. Ein weiterer Streitpunkt war ein städtischer Zuschuss von 400.000 € für ein David-Guetta-Konzert, der einen öffentlichen Aufschrei und die Streichung des Zuschusses zur Folge hatte. Diese Vorfälle verdeutlichten die Spannungen zwischen lokaler Kultur und aufwendigen Großveranstaltungen.
F: Ist Marseille derzeit sicher zu bereisen? Bis 2025 wird Marseille hinsichtlich der Sicherheit in etwa dem Niveau anderer europäischer Großstädte entsprechen. Zwar gibt es in einigen Vierteln ein ernstzunehmendes Kriminalitätsproblem (z. B. Drogenbandengewalt in den nördlichen Bezirken), doch die Kriminalitätsrate ist in der Stadt weiterhin hoch. 2023 wurden in Marseille 48 Mordopfer verzeichnet. Die Kriminalitätsrate pro Kopf in touristischen Gebieten ist jedoch vergleichbar mit oder sogar niedriger als in Städten wie Paris oder Lyon. Die französische Regierung rät nicht von Reisen nach Marseille ab, empfiehlt Besuchern aber, die übliche Vorsicht walten zu lassen. Wie ein lokaler Blog feststellt: „Ein Spaziergang durch Marseille ist nicht riskanter als durch Paris, Barcelona, Rom oder andere europäische Metropolen.“ Besucher sollten Wertsachen nicht offen tragen und besonders nachts (vor allem in der Nähe des Bahnhofs oder dicht besiedelter Wohngebiete) vorsichtig sein. Tagsüber können sie Hafen, Strände und Museen gefahrlos erkunden.
F: Wie hat sich Marseille seit 2013 verändert? Konkret bedeutet das, dass die Tourismuswirtschaft der Stadt ein anhaltendes Wachstum verzeichnet hat. Es gibt mehr Hotels, Kreuzfahrtschiffe laufen den Hafen regelmäßig an, und die Zahl der Arbeitsplätze im Tourismus liegt weiterhin über dem Niveau von vor 2013. Die für 2013 errichtete kulturelle Infrastruktur wird nach wie vor genutzt (das MuCEM und die Museen ziehen Besucher an, und der Vieux-Port ist eine belebte Promenade). Kulturell hat Marseille heute ein höheres Ansehen: Die Stadt ist Gastgeber regelmäßiger Kunstmessen und Festivals, und es wurden neue Museen eröffnet (z. B. das MuCEM). Historisches Museum von Marseille Das Museum wurde 2013 in seinem renovierten Gebäude wiedereröffnet und zieht weiterhin Geschichtsinteressierte an. Im sozialen Bereich dauern die Debatten um Inklusion zwar an, doch das bürgerschaftliche Engagement im Kulturbereich ist größer als zuvor. Viele ehemalige Skeptiker berichten von einer positiven Überraschung: Orte, die sie einst mieden (das Panier oder das Hafenviertel), fühlen sich heute sicherer und einladender an. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich Marseilles Wandel als nachhaltig erwiesen hat, auch wenn die Stadt ihr komplexes Erbe mit ihrem wiederbelebten Geist in Einklang bringt.