Der Grundriss der Verbotenen Stadt liest sich wie ein Stadtgedicht. Ein kaiserlicher Besucher durchquerte vier Tore, bevor er die innersten Heiligtümer erreichte. Südlich davon liegt das Tiananmen (Tor des Himmlischen Friedens) – der symbolische Eingang zur Kaiserstadt –, wo Maos Gesicht den Lauf der Geschichte beobachtet. Es folgt das Mittagstor (Wu Men), das große Südtor des Palastes. Durch fünf Bögen gelangt man in den Äußeren Hof.
Der Äußere Hof erstreckt sich nach Norden und erstreckt sich über etwa ein Drittel der Länge des Palastes. Hier herrschte der Kaiser in aller Pracht über sein Reich. Drei monumentale Säle stehen in einer Reihe, jeder auf hohen Marmorterrassen errichtet:
- Die Halle der Höchsten Harmonie (Taihe Dian) ist die größte. Sie steht auf einer dreistufigen Marmorplattform und beherbergt den Drachenthron. Als Ort, an dem Kaiser bei Krönungen und Neujahrszeremonien saßen, wurde sie erbaut, um die Zuschauer mit ihrer Pracht zu überwältigen. Ihre riesige Innenhalle, getragen von baumstammdicken Vollholzbalken, ist bis heute eine der größten Holzkonstruktionen überhaupt. Bronzene Weihrauchgefäße und Wächterstatuen säumen die Plattform, und jeder Dachkranz und jedes Eckornament ist mit Drachenmotiven verziert.
- Hinter Taihe befindet sich die Halle der Mittleren Harmonie (Zhonghe Dian), eine kleinere Ruhestätte für den Kaiser, um Zeremonien durchzuführen.
- Weiter nördlich steht die Halle der Bewahrung der Harmonie (Baohe Dian), die einst für Bankette und die Abschlussprüfungen des Kaisers genutzt wurde.
An das zentrale Trio schließen sich im rechten Winkel zwei weitere Zeremonienhallen an: die Halle der kriegerischen Tapferkeit (Wuying Dian) mit Ausstellungen bronzener Waffen und die Halle der literarischen Brillanz (Wenhua Dian) für wissenschaftliche Zwecke. Der gesamte Außenhof wirkt dramatisch: breite Marmorrampen, grün glasierte, sich in den Himmel wölbende Dächer – alles in kolossalem Ausmaß. Er sollte die Beamten und Gesandten, die hier niederknieten, einschüchtern und beeindrucken.
Ein sonniger Nachmittag im Äußeren Hof der Verbotenen Stadt. Gläubige und Touristen versammeln sich unter der hoch aufragenden Halle der Höchsten Harmonie (oben zu sehen), deren dreistufige Marmorplattform den Drachenthron der Ming- und Qing-Kaiser trägt.
Hinter dem letzten Zeremoniensaal teilt eine breite Trennwand den Komplex in zwei Hälften. Betritt man den Innenhof, findet man eine intimere Anlage: den privaten Bereich des Kaisers, seiner Familie und seines Haushalts. Ein in Stein gemeißelter Weg des Friedens führt zum Palast der Himmlischen Reinheit (Qianqing Gong), einst das Schlafzimmer des Kaisers, und zur Halle der Vereinigung (Jiaotai Dian), in der die Siegel der Kaiserin aufbewahrt wurden. Daneben steht der Palast der Irdischen Ruhe (Kunming Gong), traditionell als Gemächer der Kaiserin gedacht (später manchmal vom Kaiser selbst genutzt). Um diese zentralen Paläste herum befinden sich Dutzende kleinerer Höfe und Villen, in denen Prinzen, Prinzessinnen, Gemahlinnen und Eunuchen lebten. Ganz im Norden liegt die Halle der geistigen Kultivierung (Yangxin Dian) – eine bescheidenere, zweistöckige Bibliothek mit Arbeitszimmer, in der die Qing-Kaiser in späteren Jahren tatsächlich viele wache Stunden hinter vergitterten Fenstern verbrachten und regierten.
Die Ausrichtung und Dekoration blieben im gesamten Gebäude unverändert: Die Räume sind nach Süden ausgerichtet, um Wärme zu spenden, die lackierten Säulen tragen Konsolen, die sich nach oben zu den Dachtraufen hin wölben, und Fresken mit Drachenmotiven und Vergoldungen zieren die Balken. Die Böden der großen Hallen sind mit speziellen „goldenen Ziegeln“ gepflastert, deren Lichtreflexion dafür sorgte, dass sie leicht zu reinigen waren – selbst von hochrangigen Palastbediensteten – und deren ungewöhnliche Zusammensetzung noch heute von Restauratoren untersucht wird.
Alles in diesem Grundriss verkörpert Hierarchie. Gelbe Ziegel – ausschließlich dem Kaiser vorbehalten – bedecken jedes Hauptdach; Nebenpaläste können grüne oder schwarze Ziegel haben. Selbst die Anordnung der Tiere auf dem Dachfirst signalisiert Status: Neun Figuren (ein himmlisches Wesen und acht Tiere) reiten in den Hallenecken der Kaiserpaläste, während auf kleineren Gebäuden nur kleinere Gruppen erscheinen. Torbögen sind tiefrot gestrichen und mit Reihen goldener Knöpfe besetzt – neun Reihen mit je neun Knöpfen an den Vordertoren –, die anzeigen, dass nur der Kaiser sie passieren darf. In früheren Zeiten stand auf Bürgerliche, die diese Knöpfe nachahmten, die Todesstrafe.
Das gesamte Gelände ist von einer bis zu 8,6 Meter breiten Mauer aus gestampfter Erde und Ziegeln umgeben. Die Ecktürme erinnern an Pagoden der Song-Dynastie (der Legende nach kopierten Handwerker berühmte Türme von einem Gemälde). Draußen hält der Wassergraben das geschäftige Treiben des modernen Pekings fern. Von oben, im Jingshan-Park, erblickt man die Verbotene Stadt als rot-goldenes Juwel in einem grünen Wassergraben – ein Mikrokosmos des kaiserlichen Chinas.
Luftaufnahme der Verbotenen Stadt vom Jingshan-Park (nördlich des Komplexes). Der gesamte Palastkomplex liegt auf der zentralen Nord-Süd-Achse Pekings. Seine vergoldeten Hallen, Höfe und Gärten sind perfekt ausgerichtet und bilden ein höchstes Beispiel kosmischer Ordnung.